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Mut zu Haltung

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Olaf Feuerstein, Geschäftsführer des Göttinger Tagungshotels Freizeit In. Foto: privat
Olaf Feuerstein, Geschäftsführer des Göttinger Tagungshotels Freizeit In. Foto: privat
Olaf Feuerstein, Geschäftsführer des Göttinger Tagungshotels Freizeit In sorgte mit seinem Handeln im Februar 2016 für bundesweites Aufsehen. Ein weiblicher Gast hatte sich nicht von einer Kellnerin mit Kopftuch bedienen lassen wollen. Daraufhin stellte sich der Hotelchef hinter seine Auszubildende und empfahl der Frau, sich in Zukunft ein anderes Hotel zu suchen. Zahlreiche Medien berichteten über das entschlossene Einschreiten Feuersteins, für das der Hotelier im gleichen Jahr beim Göttinger Zivilcouragepreis ausgezeichnet wurde.

Würden Sie es wieder tun?
„Ja, ich würde es wieder tun. Ich glaube, es ist gerade jetzt wichtig, standhaft zu sein. Die Ereignisse von Chemnitz haben mich darin nochmal bestätigt, wie wichtig es ist, offen zutage tretenden rechten Tendenzen etwas entgegen zu setzen. Wir beschäftigen seit der Gründung des Hotels vor gut 40 Jahren Menschen mit Migrationshintergrund. Seit einigen Jahren haben wir auch Mitarbeiterrinnen, die ein Kopftuch tragen. Für uns ist das kein Thema, mit dem wir uns beschäftigen. Für mich zählt, dass jede und jeder in unserem Hotel gute Arbeit leistet und nicht, welchen kulturellen oder religiösen Hintergrund sie oder er hat.“

Wie haben Sie die Situation damals erlebt?
„Ich wurde von meinem Team auf den Fall hingewiesen, woraufhin ich den Kontakt zu der Frau suchte. Sie sagte mir, dass Sie Angst vor meiner Mitarbeiterin habe und sie nicht von einer Kellnerin mit Kopftuch bedient werden möchte. Dieser Wunsch war für mich nicht akzeptabel. Deswegen habe ich der Dame empfohlen, sich für die Zukunft ein anderes Tagungshotel zu suchen.“

Welche Reaktionen gab es?
„Es gab zunächst einmal ein großes Interesse der Medien, die über den Fall berichteten. Neben den regionalen Zeitungen gab es auch Artikel bei Focus Online und der Huffington Post sowie Fernsehbeiträge – nicht zu vergessen eine große Geschichte im Spiegel. Auf diesen Artikel hin habe ich zahlreiche Briefe von Menschen erhalten, die mich in meinem Handeln bestärkt haben. Die Zuschriften kamen von Lesern aus vielen Ländern Europas.“

Waren Sie mutig?
„Nein, finde ich nicht. Ich habe bei dem Thema eine klare Haltung, weshalb ich mich selbstverständlich vor meine Mitarbeiterin gestellt habe. Ich habe erst hinterher gemerkt, unter welchem Druck ich damals stand. Neben den positiven Rückmeldungen auf den Artikel im Spiegel gab es nämlich auch zahlreiche, teils hasserfüllte Briefe, die mich erreichten. Darunter waren auch Drohungen gegen mich und meine Familie, wegen der ich einige Tage sogar von der Polizei geschützt wurde. Nachdem ich im Mai 2015 der AfD nach einer verdeckten Buchung einen Tagungsraum im Hotel für eine Veranstaltung storniert hatte, brach eine regelrechte Hasswelle aus. Es waren Briefe und Anrufe, aber auch zahlreiche negative Bewertungen, die plötzlich über unser Hotel verfasst wurden. Das war wirklich grenzwertig, was wir, zum Teil auch meine Mitarbeiter, damals aushalten mussten. Allerdings möchte ich anderen in ähnlichen Situationen Mut zusprechen. Das hörte dann nach wenigen Wochen auch wieder auf. Ich denke zwar schon, dass wir vielleicht einige wenige Gäste verloren haben, aber zu meinem Handeln gab es keine Alternative.“

Haben Sie als Hotel etwas verändert?
„Wir haben damals unser Leitbild ergänzt, um unsere Ablehnung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auch dort deutlich zu verankern. Diese Textpassage haben wir auch an vielen Stellen im Hotel aufgehängt, um dies unseren Gästen zu verdeutlichen. ‚Wer in unseren Häusern von unseren Mitarbeitern mit Migrationshintergrund nicht bedient werden möchte, den möchten auch wir nicht bedienen‘, heißt es darin. Man mag es kaum glauben, aber es kommt tatsächlich immer mal wieder vor, dass Gäste offen rechte Einstellungen zeigen, zum Beispiel nach einer ,arischen‘ Kellnerin verlangen. Und das sind Akademiker, die so etwas sagen. Auch diese Gäste bitte ich zu gehen.“
Die Fragen stellte Georg Thomas.

Göttinger Zivilcouragepreis 2018
Die Bürgerstiftung Göttingen vergibt auch in diesem Jahr zusammen mit dem Präventionsrat der Stadt Göttingen den Göttinger Zivilcouragepreis. Die öffentliche Preisverleihung wird am 8. November um 18 Uhr im Alten Rathaus im Rahmen einer festlichen Veranstaltung stattfinden. Noch bis zum 15. Oktober können Menschen aus dem Raum Göttingen vorgeschlagen werden, die für ihr couragiertes Handeln eine Würdigung verdienen. In den vergangenen Jahren erreichten die Bürgerstiftung etwa 20 Vorschläge, aus denen die Preisträger ausgewählt wurden.

Vorschläge an:
zivilcouragepreis@buergerstiftung-goettingen.de oder Tel. 0551/38489872