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IHK-Vollversammlung: Industrie 4.0 und Ausblick auf 2019

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Holger Sindemann, MTU-Chef in Langenhagen und Mitglied der IHK-Vollversammlung, zeigte konkrekt, wie in Triebwerksbau und -wartung die Digitalisierung umgesetzt wird.
Die IHK-Vollversammlung bekam im September einen Einblick in die Praxis der Technologie 4.0 – und stellte Weichen für die nächste Wahl.

alisierung und Industrie 4.0 sind unvermeidlich Themen auch in der IHK-Vollversammlung. Holger Sindemann, Geschäftsführer von MTU Maintenance in Langenhagen, zeigte Anfang September, wie der Triebwerksspezialist als international aufgestelltes Unternehmen in die digitale Zukunft gestartet ist. Der Konzern mit Sitz in München entwickelt und baut nicht nur Flugzeugtriebwerke, sondern sorgt an sechs Standorten weltweit mit der Zentrale in Langenhagen für die Instandhaltung sowohl der eigenen als auch von Turbinen anderer großer Hersteller. Diesen Kernbereich des MTU-Geschäfts wird die Digitalisierung nicht grundsätzlich verändern, machte Sindemann deutlich: Zu einem sicheren, effizienten Triebwerk, das einem Flugzeugbetreiber mit möglichst wenig Pausen zur Verfügung steht, gibt es keine digitale Alternative. Digitalisierung bei MTU, so Sindemann, bedeutet daher nicht Disruption, wohl aber eine kontinuierliche Verbesserung der Prozesse.
Das gilt für die Triebwerksentwicklung, um hier Entwicklungszeit und -kosten zu sparen. Rund 2 Mrd. Euro, Tendenz steigend, kostet die Entwicklung eines Triebwerks und damit etwa doppelt so viel wie noch vor gut einem Jahrzehnt. Und bis die Turbine im regulären Betrieb unter dem Flügel hängt, dauert es bis zu 15 Jahre. Die Virtualisierung eines Triebwerks – Virtual Engine – bis zum digitalen Zwilling, dem Digital Twin, bei dem alle rund 30 000 Einzelteile im Rechner abgebildet sind, macht die Entwicklung schneller und vermeidet Kosten – beispielsweise, wenn Tests, die heute real vorgenommen werden, künftig zu großen Teilen digital ablaufen. MTU-Manager Sindemann machte das deutlich an den Versuchen, mit denen die Wirkung von Vogelschlag ermittelt wird, im Klartext: Was passiert, wenn Vögel in ein laufendes Triebwerk geraten?
Der digitale Zwilling ist auch die Grundlage, um den Zustand eines Triebwerks vor Ort zu erfassen. Über Datenbrillen können Mechaniker in Zukunft beispielsweise Konstruktionspläne sehen. Oder das, was sie gerade vor Augen haben, mit Kollegen an anderen Standorten teilen.
Bei der Triebwerkswartung orientiert sich die Digitalisierungsstrategie außerdem vor allem am Stichwort Predictive Maintenance: Daten, die schon während des Fluges erfasst und analysiert werden, bieten nicht nur die Grundlage, um den Zustand von Bauteilen schneller und exakter zu erfassen, zu beurteilen und damit auch Reparaturen zu beschleunigen. Die Datenanalyse könnte es in Zukunft auch möglich machen, erläuterte Holger Sindemann in der IHK-Vollversammlung, Triebwerksschäden zu vermeiden: In dem man die Empfehlung gibt, ein Triebwerk während des Betriebs zu schonen oder, wenn möglich, sogar vorbeugend abzuschalten. Der Geschäftsführer von MTU-Maintenance wies aber auch darauf hin, dass die Umsetzung dieser Digitalisierungsstrategie ein Prozess ist, der sich über Jahre erstreckt.

Wahljahr für IHK-Mitglieder

Im nächsten Jahr ist es wieder soweit: Die Mitgliedsunternehmen der IHK Hannover haben dann die Möglichkeit, ihre neue Vollversammlung zu wählen. Zur Vorbereitung wurde eine neue Wahlordnung durch einen gewählten Wahlausschuss erarbeitet und von der IHK-Vollversammlung in ihrer Sitzung am 3. September beschlossen. Die Bekanntmachung wird nach Genehmigung durch das niedersächsische Wirtschaftsministerium als Aufsichtsbehörde in der nächsten Ausgabe der NW erfolgen.
Die Wahlordnung stellt unter anderem sicher, dass kleine, mittlere und große Unternehmen aus allen Branchengruppen (Wahlgruppen) und Landkreisen im IHK-Bezirk vertreten sind. Der gewachsenen Bedeutung der regenerativen Energien wird durch die Bildung einer neuen Wahlgruppe Rechnung getragen.

Eine Wahlbekanntmachung auf der IHK-Website mit allen näheren Informationen ist für den 4. Februar 2019 vorgesehen.

Lesen Sie in einem weiteren Artikel mehr über das Thema Industrie 4.0!