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Die Freitags-Kolumne: Strukturwandel

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Niedersachsen – Autoland. Schön, aber damit werden auch die Veränderungen in der Automobilindustrie hier besonders zu spüren sein.

Die Diskussion um die Zukunft des Autos und der Automobilindustrie hat in den vergangenen Tagen nochmal richtig Fahrt aufgenommen. Die Weltklimaprognose, die Einigung der EU-Umweltminister auf 35 Prozent weniger Kohlendioxid bis 2030 – und was bedeutet das für Niedersachsen, das sich so lange und so stolz Autoland nennt? Dass Elektrofahrzeuge mit weniger Aufwand gebaut werden, ist inzwischen Allgemeingut: weniger Einzelteile, weniger Zulieferung, weniger Aufwand in der Produktion, weniger Jobs. Wenn es gut geht, ersetzen – grob gesagt – Fabriken, in denen Batterien gebaut werden, diejenigen für die Produktion von Getrieben. Überall werden neue Qualifikationen gefragt sein. Wie groß die Verwerfungen auf dem Weg dahin sind, ist eine Frage der Zeit. Der Druck auf die Arbeitsplätze wird umso stärker, je anspruchsvoller die Ziele, derzeit insbesondere beim CO2, gesetzt werden. Die Lage der Autoindustrie, so der gerade veröffentlichte Konjunkturbericht der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern, schlug in den vergangenen Monaten jedenfalls voll auf die Konjunktur durch und bremste das Wirtschaftswachstum im Land – obwohl es den anderen Bereichen wirklich gut geht. Die Delle im Automobilsektor wird hoffentlich nur vorübergehend sein, heißt es im Konjunkturbericht. Aber die strukturellen Herausforderungen bleiben. Die deutschen Autobauer werden um ihre Spitzenposition kämpfen, jedoch am Ende möglicherweise so oder so deutlich schlanker dastehen als heute, was Arbeitsplätze und Lieferketten angeht. Das mag zur demografischen Entwicklung passen, aber auch da tut sich ja eine Menge. Wo, wenn nicht im Autoland Niedersachsen, wird sich das alles bemerkbar machen? Und wenn wir vor einem Strukturwandel stehen, dann ist es immerhin ein Glück, dass wir den Weg vom Hochplateau eines langjährigen Wirtschaftsaufschwungs angehen. Wohin dieser Weg führt, ist offen – aber an der Digitalisierung führt er auf keinen Fall vorbei. pm

Ursprünglich als Wirtschaftspolitisches Streiflicht, später in einer eigenen Rubrik „Streiflichter“: Glossen begleiten die Niedersächsische Wirtschaft von Anfang an und hatten schon in Vorgänger-Publikationen ihren Platz. An dieser Stelle finden Sie jeden Freitag eine Glosse in dieser Tradition.