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Die Freitags-Kolumne: Schattenseite

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Das Smartphone drängt sich bei vielen Menschen in den Vordergrund. Man muss dazu aber gar nicht selbst telefonieren.

Hat man eigentlich schon untersucht, ob ein Handytelefonat die Leute in der Umgebung mehr stört als ein Gespräch von Mensch zu Mensch? Falls Sie diese halben Dialoge per Smartphone – am liebsten in der Butterbrot-Variante: waagerecht vor dem Mund zum Gleichreinbeißen – auch für eine Schattenseite der Digitalisierung halten, hier mal drei mögliche Gründe für das Störpotenzial. Erstens: Es ist keine einheitliche Geräuschkulisse, die da entsteht, sondern man hört immer nur unvermittelt einen Sprecher. Und das, zweitens, gefühlt immer lauter als bei einer normalen Unterhaltung (wobei mit der Dauer des Gesprächs die Lautstärke zunimmt). Schließlich drittens: Kopfkino. Wie soll man denn da weghören, wenn es zum Beispiel – sagen wir, in der S-Bahn – ein PC-Problem behoben wird. „Bin schon im Zug.“ Stille. „Muss das denn noch heute sein?“ Stille. Dann folgt die Beratung aus dem Kopf – „geh‘ mal auf Bereich oder so, da muss es dann einen Punkt geben, der heißt irgendwie …“ Von der anderen Seite kommen jetzt wahrscheinlich Bildschirmbeschreibungen. Und dann geht es in die Grundlagen: „Software-Center“, fordert der Smartphone-Berater. „Soft-wah-re, wie Ware. Und Center mit C.“ Spätestens in diesem Augenblick fragt man sich, ob das noch zu den Schattenseiten der Digitalisierung zählt oder schon Unterhaltung ist. pm

Ursprünglich als Wirtschaftspolitisches Streiflicht, später in einer eigenen Rubrik „Streiflichter“: Glossen begleiten die Niedersächsische Wirtschaft von Anfang an und hatten schon in Vorgänger-Publikationen ihren Platz. An dieser Stelle finden Sie jeden Freitag eine Glosse in dieser Tradition.