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Maica: Eine Krawatte muss ein Gesicht haben

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Mit der Produktion von Krawatten im eigenen Keller fing 1952 alles an. Foto: Maica
Mit der Produktion von Krawatten im eigenen Keller fing 1952 alles an. Foto: Maica
Seit 66 Jahren produziert Maica Krawatten. Mit dem Bereich Corporate Fashion hat sich das Unternehmen bereits in den 70er Jahren ein weiteres Standbein geschaffen. Und im Maica-Modehaus kann Mann sich von Kopf bis Fuß einkleiden.

„Als mein Vater 1952 anfing, waren die Krawatten fünfzehn Zentimeter breit“, erzählt Martina Bleeke-Höpfner lächelnd. Zwischendurch hat es einmal eine schmale Welle bei Krawatten gegeben. Wann das genau war, daran kann sich die Geschäftsführerin des Garbsener Krawattenproduzenten Maica nicht mehr genau erinnern. „Seit einigen Jahren bewegt sich die Krawattenbreite zwischen sechs und siebeneinhalb Zentimetern.“ Die zierliche 50-jährige Frau weiß, wovon sie spricht. Vor 25 Jahren stieg sie als Geschäftsführerin in den elterlichen Betrieb ein, den sie heute mit Lars Steinhage (44) als zweitem Geschäftsführer führt.

Maica wurde 1952 von Martina Bleeke-Höpfners Vater in Leese gegründet. Helmut Bleeke begann im Alter von 18 Jahren im Keller seines Elternhauses, Krawatten zu nähen und zu vertreiben. „Mein Vater hat die Firma zusammen mit meiner Mutter aufgebaut. Von Kindesbeinen sieht man nur Krawatten“, erinnert sich die Unternehmerin. Als die Firma wuchs, wurden die Krawatten vorwiegend in Heimarbeit zugeschnitten, genäht und konfektioniert. Im Jahr 1965 waren 200 Mitarbeiter für die Firma tätig. „Mein Vater hat in ganz Deutschland Krawatten vertrieben“, so Martina Bleeke-Höpfner. Seit den 60er Jahren firmiert das Unternehmen unter Maica. 1970 zog es nach Garbsen um. Inzwischen produziert das Unternehmen neben Krawatten auch Fliegen, Einstecktücher, Manschettenknöpfe, Gürtel und Schals. Mit dem Bereich Corporate Fashion hat sich Maica bereits 1975 ein weiteres Standbein geschaffen.

Martina Bleeke-Höpfner mit Maica-Krawatten. Foto: Barbara Dörmer
Martina Bleeke-Höpfner mit Maica-Krawatten. Foto: Barbara Dörmer

Seit 2003 gehört zur Maica-Gruppe ein Modehaus mit rund 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche. In der Gutenbergstraße im Industriegebiet Garbsen finden Männer auf zwei Etagen Bekleidung – von formal bis freizeitorientiert. Eine kleine Abteilung im Erdgeschoss bietet Damen Jeans von Mac, Blusen von Eterna oder Jacken von Barbour.

„Der Mann wird immer freizeitorientierter, die Krawatte verliert an Stellenwert“, stellt die Unternehmerin fest. „Wenn man sich respektvoll anzieht, erntet man auch Respekt. Im Business und zu wichtigen familiären Anlässen trägt man Krawatten. Das macht das Bild vollständig“, so ihr kleines Manifest für die Krawatte. Und: „Eine Krawatte muss ein Gesicht haben.“ Ein zweiköpfiges Designteam kreiert die Muster. Produziert werden die Krawatten je nach Auftragsvolumen in Deutschland, Italien oder Asien. Die meisten Krawatten seien aus Seide. „Wer sie etwas kostengünstiger haben möchte, der nimmt Microfaser“, so Bleeke-Höpfner.

Einzelhandelsgeschäften wie Konen in München, Bruno Kleine in Harsewinkel, aber auch beim Filialisten Peek & Cloppenburg in Hannover. Ein weiterer Vertriebskanal sind Kaufhäuser, die Maica-Produkte meist unter ihrer Hausmarke anbieten. Auch über die Grenzen Deutschlands hinaus kleiden sich Männer mit Maica ein – so in Belgien, Österreich, Niederlanden oder der Schweiz.

Das Maica-Modehaus in Garbsen. Foto: Maica
Das Maica-Modehaus in Garbsen. Foto: Maica

Im Unternehmensbereich „Corporate Fashion“ entwirft Maica Krawatten, Tücher, Schals oder Hemden beispielsweise in Firmenfarben, und bestickt sie auf Wunsch – etwa am Kragen – mit dem Firmenlogo. T-Shirts, Jacken, Pullover oder Sweatshirts komplettieren das Corporate Fashion-Sortiment. Dabei sind Krawatten, Schals und Tücher am beliebtesten. Zu den Kunden zählen Unternehmen wie Porsche, Montblanc, Airbus, Samsung, Volkswagen, Continental oder die Deutsche Messe, aber auch mittelständische Firmen „vom Dachdecker bis zum Hotel“, so Bleeke-Höpfner, oder Behörden wie die Stadt Hannover.

Im Maica-Modehaus „können sich Männer von Kopf bis Fuß einkleiden“, so Martina Bleeke-Höpfner. Maica-Krawatten liegen von hellgelb bis schwarz sortiert auf einem Verkaufstresen im Obergeschoss. Aus einer weißen Vitrine springen bunt-gemusterte Maica-Fliegen ins Auge. Rundherum reihen sich Ständer mit Anzügen, Sakkos und Hosen, die auch in Über- und Zwischengrößen erhältlich sind. „Wir haben eine starke Anzugabteilung im festlichen und im Business-Bereich, mit Marken wie Wilvorst, Benvenuto, Atelier Torino, Bugatti oder Bäumler.“ In der ersten Etage präsentiert Maica ferner Hemden von Seidensticker oder Eterna sowie Schuhe von Lloyd oder Melvin & Hamilton. Das Sortiment wird durch Freizeitbekleidung von Mac, New Zealand und Alberto Jeans im Erdgeschoss komplettiert.

„Kernzielgruppe sind Männer ab 40, die beruflich oder privat etwas suchen. Auch Konfirmanden und Abiturienten kaufen ihre Anzüge hier.“ Die Kunden kommen aus einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern. „Männer kleiden sich bei uns häufig fürs nächste Jahr ein. Socken, vier Anzüge, zehn Krawatten, fünf Hemden. Die Kunden bestellen das auch nach. Oder sie kommen anläßlich ihrer Hochzeit mit ihrer ganzen Familie zum Einkleiden für ihren schönsten Tag im Leben.“

200 000 Krawatten hat Maica durchschnittlich im Lager in Garbsen. Foto: Maica
200 000 Krawatten hat Maica durchschnittlich im Lager in Garbsen. Foto: Maica

Die persönliche Beratung spielt dabei eine große Rolle, insgesamt 20 Berater arbeiten im Modehaus. Einer von ihnen ist Philip Meyer. Auf die Frage, ob der eine oder andere Kunde Hilfe beim Krawattenbinden, etwa in Form einer Anleitung, brauche, antwortet der 27-Jährige charmant: „Das kommt in allen Altersgruppen mal vor. Wir binden die Krawatte dann vor. Denn bei uns ist alles handgemacht.“ Und wenn beim Essen mal was schiefgeht? „Man sollte eine Krawatte auf keinen Fall in die Reinigung bringen, da verliert sie an Haptik. Da ist es besser, sich eine neue zu kaufen“, rät Martina Bleeke-Höpfner.

Der Bereich „Junge Mode“ bei Maica. Foto: Barbara Dörmer
Der Bereich „Junge Mode“ bei Maica. Foto: Barbara Dörmer