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Münchhausen-Preis: Herbst-Zeit in Bodenwerder

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Christoph Maria Herbst bei der Verleihung des Münchhausen-Preises.
Schauspieler Christoph Maria Herbst hat den Münchhausen-Preis erhalten, den die Stiftung Sparkasse Bodenwerder vergibt. Die Region zieht mit bei der Verleihung, Unternehmen und freiwillige Helfer machen es möglich. Der bereits vielfach geehrte Herbst zahlt mit brillanter Unterhaltung zurück.

Und dann wird der Preisträger ernst. Er spricht davon, wie er das erste Mal die Schwellenangst überwand und das Kinder- und Jugendhospiz in Olpe, das älteste Deutschlands, besuchte. Ein Ort des Schreckens, habe er gedacht, sagt Christoph Maria Herbst. „Und das ist es auch.“ Aber auch, so fährt er fort, vor allem ein Ort des Lebens: Dort werde das Leben zelebriert, dort fänden Familien zusammen. Seit Jahren unterstützt der Schauspieler das Hospiz, und auch das Preisgeld fließt als Spende dorthin.

Dieser unvermittelte Wechsel ins Nachdenkliche ist etwas, das der Laudator des Abends, Moritz Netenjakob, als eine große Stärke des Schauspielers hervorhebt: Stromberg, wohl – bis jetzt – die Rolle schlechthin für Christoph Maria Herbst, ist ein Unsympath vor dem Herrn. Der aber doch eigentlich nur geliebt werden will. Weil Herbst das darstellen kann, sei Stromberg überhaupt zu einer Identifikationsfigur geworden. Unter anderem deshalb hält er den Schauspieler, mit dem er befreundet ist und den er menschlich als das genaue Gegenteil Strombergs kennt, für den einzig passenden Münchhausen-Preisträger. Und wer könnte das BGB – in Worten: das Bürgerliche Gesetzbuch – vorlesen und das Ganze zu einem Bestseller machen, wer, wenn nicht Herbst.

Dem reichen zwei, drei Sätze, um das rund 1300 Gäste zählende Publikum rumzukriegen. „Ist das der Preis?“, fragt er, als ihm auf der Bühne das Mikro gereicht wird. Nein, es gibt einen Münchhausen auf der Kanonenkugel aus, natürlich, Fürstenberg-Porzellan. Und eine Urkunde. Die werden aber gleich wieder von der Bühne getragen. „Ist ja nur eine Preisverleihung“, ruft aus dem Hintergrund Thomas Greef, Vorstandsmitglied der Sparkasse Hameln-Pyrmont und Vorstandschef der Stiftung Sparkasse Bodenwerder, die den Preis vergibt. „Zehn Sekunden habe ich den Münchhausen-Preis gehabt“, murrt Herbst.

Bodenwerders Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Schmidt übergibt die Trophäe, im Hintergrund Matthias Freiherr von Münchhausen.

Die Provinz kriegt sie alle

Greef hatte in seiner Begrüßung heftig mit dem Provinzstatus kokettiert, den Bodenwerder mitten im Landkreis Holzminden vielleicht gerade durch den „bröseligen Felsen“ an der B 83 bei Steinmühle noch etwas mehr hat. Getragen wird die Preisverleihung von der Wirtschaft in der Region, voran die Sparkasse Hameln-Weserbergland – „für unser Bodenwerder, für das Weserbergland machen wir das“, ruft Greef. Auch das Rahmenprogramm an diesem Abend ist regional, etwa mit der 13-jährigen Sängerin Sofie Thomas aus Hehlen, die 2017 die Fernseh-Talentshow The Voice Kids gewann.

Nur die Münchhausen-Preisträger kommen nicht aus der Region. Aber die Provinz hatte sie alle: Herbst ist der 21. Bei seiner Ehrung Ende September wurde des im Mai verstorbenen Wolfgang Völz‘ gedacht, 1998 als zweiter nach Dieter Hildebrandt ausgezeichnet. Rudi Carrell, Dieter Hallervorden, Evelyn Hamann, Hermann van Veen, Jürgen von der Lippe, Götz Alsmann, Norbert Blüm, Anette Frier, um nur einige zu nennen – sie alle kamen nach Bodenwerder, beziehungsweise zuletzt ganz in die Nähe in den großen Saal der Gastronomie Mittendorf in Buchhagen, um sich den Preis abzuholen. Und jetzt Herbst. Und der wurde sogar schon gefragt, wer sein Nachfolger werden könnte. Falls eine posthume Verleihung möglich sei, sagte der Schauspieler, wäre es für ihn Vicco von Bülow. Und nennt den Großmeister des Humors nicht Loriot, sondern nimmt respektvoll den richtigen Namen. Noch so ein nachdenklicher Moment. Und wie, wenn nicht mit dieser Empfehlung, könnte man die Wertschätzung gegenüber der Provinz deutlicher machen?

Natürlich mit einer Zugabe. „Ist ja erst viertel vor elf“, sagt Herbst und liest noch ein Kapital aus seinem Kreuzfahrt-Buch, facht Lachstürme im Saal an, um am Schluss, so will es der von ihm sorgfältig ausgewählte Text, zu einer Danksagung zu kommen: Er, Christoph Maria Herbst, darf Schauspieler sein, kann anders als andere seinen Traum wahr machen: „Das ist Leben. Das Leben ist ein Glück.“