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St. Michael in Hildesheim. Foto: Nina Weymann-Schulz
St. Michael in Hildesheim. Foto: Nina Weymann-Schulz

Hannover und Hildesheim treiben ihre Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europa 2025 voran. Auch unabhängig von einem Zuschlag düften die Städte von dem Prozess profitieren.

Mit Hannover und Hildesheim gehen aus Niedersachsen gleich zwei Städte ins Rennen um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ – neben sechs anderen Städten der Republik, in alphabetischer Reihenfolge: Chemnitz, Dresden, Magdeburg und Nürnberg und Zittau sowie Gera – mit Fragezeichen. Auch Slowenien darf für 2025 eine Kulturhauptstadt für Europa benennen.

Hannover hat sich inhaltlich auf das Leitthema „Nachbarschaft“ festgelegt. Mit der Leitung des Bewerbungsprozesses hat Oberbürgermeister Stefan Schostok Konstanze Beckedorf beauftragt, die die Arbeit des Kulturhauptstadtbüros ab September durch ein professionelles Projektmanagement ergänzen will. Seit Juni ist mit dem niederländischen Kulturmanager Oeds Westerhof auch ein externer Berater engagiert.

Die Stadt Hildesheim hat 2015 ihren 1200. Geburtstag gefeiert – diesen Schwung will Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer für die Bewerbung mitnehmen. Derzeit erarbeitet Hildesheim eine Langzeitstrategie, die festlegt, wie sich die Stadt kulturell aufstellen will. Das Projektbüro „Kulturhauptstadt Hi2025“ ist im Austausch mit Hochschulen, der Kulturszene sowie Stadt und Landkreis und will sich nach dieser Findungsphase auf ein Thema festlegen. Als nächste Projekte finden eine Jugendkonferenz zur Frage „Wie wollen wir in Zukunft leben?“ sowie eine „Tour de Landkreis“ für Läufer und Inline-Skater statt, die nach 20 Stunden und 25 Minuten endet.

Am 24. September startet die Kulturstiftung der Länder das offizielle nationale Auswahlverfahren für die Kulturhauptstadt Europas 2025 in Deutschland – samt Bewerbungszeitplan und -prozedere. Für den 16. Oktober lädt sie alle deutschen Bewerber ein, um sich bei der ersten offiziellen Auftaktveranstaltung zu präsentieren. 2019 müssen die Bewerber ein sogenanntes Bid-Book abgeben (voraussichtlich Ende September) und ihre Bewerbung vor der europäischen Jury in Berlin (voraussichtlich im Dezember) präsentieren. Danach gibt die Jury die Städte bekannt, die in die zweite Auswahlrunde kommen. Im Jahr 2020 gibt die Jury den Sieger bekannt.

Welche Effekte eine Kulturhauptstadt nach sich zieht, hat die EU in der Studie „European Capitals of Culture: the road to success. From 1985 to 2010” untersucht. Sie stellt darin fest, dass das urbane, touristische und ökonomische Potenzial und die Rolle, die die Kulturhauptstädte spielen, um den sozialen Zusammenhalt voranzutreiben, unleugbar ist. Alle Kulturhauptstädte Europas haben im Vergleich zur Zeit vor der Ernennung bei den Übernachtungszahlen zugelegt – so auch die drei Kulturhauptstädte Berlin (1988), Weimar (1999) und Essen mit dem Ruhrgebiet (2010). Und mit einem Blick zurück stellt man auch für Hannover und Hildesheim fest, dass beide Großereignissen profitiert haben: Im Expo-Jahr haben sich die Übernachtungen in Hannover auf 2 Mio. (2000) nahezu verdoppelt. 2001 verzeichnete die Landeshauptstadt 1,3 Mio. Übernachtungen, 2017 waren es 2,28 Mio. Hildesheim hat 2015, im Jahr des Stadtjubiläums, 310 000 Übernachtungen (2014: 263 000) registriert; im vergangenen Jahr waren es 319 900. Aber selbst wenn keine der beiden Städte den Titel „Kulturhauptstadt 2025“ gewinnt: Die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten, die Fixierung von Ideen zu Kultur und Stadtentwicklung, findet in jedem Fall statt – und auch das ist bereits ein wichtiger Schritt.