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Die Freitags-Kolumne: Guter Tag

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An alle Redenschreiber dieses Landes: Bevor Sie das nächste Mal die Phrase verwenden, um die es gleich geht, überlegen Sie bitte, ob das wirklich notwendig ist! Wahrscheinlich nicht.

Heute ist ein guter Tag. Für die soziale Sicherheit in Deutschland. Für Saalfelds Tourismus. Für Deutschland. Sowieso. Um nur mal die Heute-ist-ein-guter-Tag-Phrasen eines einzigen Sommertages zu nehmen. Ein guter Tag für die Stadt. Für den Stadtteil. Für den Eissport. Für Seibranz und für die ganze Stadt Bad Wurzach. Wo immer das sein mag. Ein guter Tag für den Sport in Landau. Für das freie Internet. Und für den Fußball. Es reicht. Diese fünf Worte gehören aus dem öffentlichen Raum verbannt. Sie sind verbraucht, abgegriffen, abgenutzt, zerschlissen, abgedroschen. Und nervtötend. Denn wenn eine Erklärung so beginnt, geht es oft genug allein darum, eine höchstpersönliche Meinung möglichst absolut und staatstragend klingen zu lassen. Und falls das mal nicht so ist, hat der Satz jede Kraft verloren, eben weil er so wahllos verwendet wird.

Abgesehen davon: Da war doch noch was. Folgt man dem Satz durch die Geschichte, landet man 1876 am Little Bighorn. Dort, wo die 7. US-Kavallerie unterging. Und einer der indianischen Anführer zum ersten Mal sagte: „Heute ist ein guter Tag – zum Sterben.“ pm

Ursprünglich als Wirtschaftspolitisches Streiflicht, später in einer eigenen Rubrik „Streiflichter“: Glossen begleiten die Niedersächsische Wirtschaft von Anfang an und hatten schon in Vorgänger-Publikationen ihren Platz. An dieser Stelle finden Sie jeden Freitag eine Glosse in dieser Tradition.