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IHK-Konjunkturumfrage: Auf dem Zenit

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Dr. Horst Schrage stellt die aktuellen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage vor.
Die niedersächsische Wirtschaft ist in bester Verfassung. Aber die dunklen Wolken sind unübersehbar, was auch mit der internationalen Großwetterlage zu tun hat – aber nicht nur. Der IHK-Konjunkturklimaindikator geht um vier auf 120 Punkte zurück, der zweite Rückgang in Folge. Die Industrie- und Handelskammern haben mehr als 1900 Unternehmen in Niedersachsen befragt.

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Zwischenzeit: Die Geschäfte der Unternehmen in Niedersachsen laufen bestens. Noch? Die Wirtschaft des Landes bewegt sich nach sechs Jahren Hochkonjunktur derzeit auf einem Top-Niveau, sagte IHK-Geschäftsführer der Horst Schrage Mitte Juli vor der Presse: „Die Lage ist so gut wie noch nie in diesem Jahrhundert.“ Ähnlich beurteilt er die Werte beim Auftragsbestand der Industrie. Und auch die Auftragseingänge entwickeln sich laut IHK-Konjunkturumfrage derzeit noch positiv, von Ausnahmen wie beispielsweise bei den Metallerzeugnissen abgesehen. Allerdings machte Schrage auch deutlich, dass sich die Perspektiven merklich ändern, und spricht von schwindendem Optimismus. Während die Wirtschaft also noch auf einem Gipfel verharrt, zeichnen sich Gründe für eine Abwärtsbewegung bereits scharf ab.

Dazu zählen nicht zuletzt die „ständigen Drohungen mit neuen Zöllen“, so der IHK-Chef. Er wies darauf hin, dass die exportorientierte niedersächsische Wirtschaft nicht nur direkt von Zollschranken, sondern auch mittelbar von den Auseinandersetzungen zwischen China und den USA beeinflusst sein könnte. Ebenso lastet der Brexit und damit verbunden die Wirtschaftsentwicklung in Großbritannien weiter auf den Unternehmen. Das Königreich rangiert auf Platz drei der niedersächsischen Exportziele, die Vereinigten Staaten sind um zwei Plätze auf Platz vier abgerutscht, und China liegt auf Position sieben. „Dass Protektionismus und Zölle nur Verlierer kennen, kann man gar nicht oft genug sagen“, so Schrage. „Dieses Spiel kann keiner gewinnen.“

Hinzu kommen aber weitere Herausforderungen. Der Fachkräftemangel ist flächendeckend bei den Unternehmen angekommen. Rund 60 Prozent kreuzen bei der IHK-Umfrage dieses Problem an. Vor zwölf Monaten waren es noch 53 Prozent, vor zwei Jahren 43 Prozent. Neben fehlenden Arbeitskräften sind es die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die in den Unternehmen Sorge bereiten. Dazu rechnet Schrage neben Fragezeichen bei der Entwicklung der weltweiten Wirtschaftsbeziehungen auch die wachsende Bürokratie: Die IHK-Konjunkturumfrage bezieht sich auf das zweite Quartal 2018, in dem auch die Datenschutzgrundverordnung in Kraft trat. Verbesserungen sieht Schrage aber bei den Genehmigungsverfahren in Niedersachsen.

Die Industrie- und Handelskammern bleiben bei ihrer Konjunkturprognose vom Jahresbeginn: Die fiel angesichts anderer Vorhersagen mit 1,7 Prozent vergleichsweise vorsichtig aus. Ein solches Wachstum ist aber aus Schrages für 2018 nach wie vor drin: „Wir hoffen darauf.“ Und zur Jahresmitte 2018 geht er auch davon aus, dass nach wie vor eine Zahl von 60.000 neuen Stellen in Niedersachsen erreicht werden kann.

 

 

Die Branchen (außer Industrie) im Überblick

Bauhauptgewerbe: Vollauslastung führt zu steigenden Preisen.

Großhandel: rückläufige Umsatzerwartungen im Import/Export

Einzelhandel: stabile Geschäftsläge, aber Margendruck

Verkehrsgewerbe: Maut auf Bundesstraßen trübt die Stimmung

Banken: Kreditgeschäft bei Firmen- und Privatkunden expansiv

Versicherungen: gute Geschäftsentwicklung

Dienstleister: Umsätze und Auftragseingänge steigen

 

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Klaus Pohlmann

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