Start Themen Im Fokus Ab auf die Überholspur – mit Glasfaser!

Ab auf die Überholspur – mit Glasfaser!

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Die Oldenburger EWE setzt auch auch auf ein Verfahren, bei dem die Glasfaserkabel über die bestehenden Gas- oder Wasser-Anschlüsse in die Gebäude geführt werden. Foto: EWE AG
Die Oldenburger EWE setzt auch auch auf ein Verfahren, bei dem die Glasfaserkabel über die bestehenden Gas- oder Wasser-Anschlüsse in die Gebäude geführt werden. Foto: EWE AG

Übertragungsgeschwindigkeiten von 1000 Megabit pro Sekunde (man spricht auch vom Gigabit) lassen sich per Glasfaser erreichen. Und anders als beim Kupferkabel wird es bei starker Nutzung nicht langsamer. Auch deswegen ist man sich einig: Dieser Technik gehört die Zukunft.

Ein schneller Glasfaser-Anschluss allein bringt ein Unternehmen nicht ins digitale Zeitalter. Aber die schnelle Anbindung von Unternehmen, (staatlichen) Institutionen, Bildungseinrichtungen und Haushalten ist eine Grundvoraussetzung, um digitale Prozesse zu gestalten. Diese Erkenntnis teilen Landes- und Bundespolitiker, die niedersächsischen Industrie- und Handelskammern und zahlreiche andere Akteure, die sich jüngst zur Digitalisierung geäußert haben. Zugegeben, einen aktuell ausreichenden Internetanschluss für den Zugang zu Plattformen dürften die meisten Unternehmen in Niedersachsen besitzen. Aber auch im Jahr 2018 gibt es im Land noch Firmen abseits der Orte wie Kieswerke, Förderstätten für Gas oder Öl, oder Unternehmen mitten im Wald, die nur über wacklige Internetverbindungen verfügen. Oft liegen diese Firmen sehr weit weg von der Vermittlungsstelle, mit der sie über ein Kupfer-Telefonkabel verbunden sind. Und häufig ist an diesen Orten auch das Handynetz nicht gut ausgebaut, sodass auch LTE keine Alternative ist. Viele Unternehmen, die nicht zwingend auf einen schnellen Anschluss angewiesen sind, haben diese Situation einfach ausgesessen. Andere haben sich meistens von der Telekom die höchstmögliche Leistung, beispielsweise einen DSL-Anschluss mit 6000 Megabit für 2000 Euroim Monat, teuer erkauft. Die BDH-Klinik in Hessisch Oldendorf, mit 240 Betten zweitgrößtes neurologisches Krankenhaus in Niedersachsen, hat dieses Jahr sogar mehr als hunderttausend Euro investiert, um per Glasfaser ans Internet angeschlossen zu werden. Das Haus besitzt seit zwei Jahren ein MRT, dessen Bilder auch in die MHH geschickt werden. In der Regel geschieht das über das Netz. „Aber einzelne Datenträger wurden auch schon mit dem Auto nach Hannover gefahren“, sagt Geschäftsführer Uwe Janosch. „Unsere Anbindung war ein echter Flaschenhals.“ Das Haus mit seinen 500 Beschäftigten war bislang mit zweimal 10 MBit angeschlossen. Nun sollen es immerhin 90 Mbit werden, die die Telekom zusichert. Mehr sei nicht möglich, habe er vom Anbieter gehört, berichtet Janosch.

Vectoring als Übergangstechnologie: Bis zu diesem grauen Kasten, dem sogenannten Kabelverzweiger, liegt bereits Glasfaser. Langsam wird es erst durch die Kupferkabel, die von hier in die Gebäude führen. Foto: Deutsche Telekom
Vectoring als Übergangstechnologie: Bis zu diesem grauen Kasten, dem sogenannten Kabelverzweiger, liegt bereits Glasfaser. Langsam wird es erst durch die Kupferkabel, die von hier in die Gebäude führen. Foto: Deutsche Telekom

Klinik nimmt es selbst in die Hand
Vom Breitband-Ausbau der vergangenen Jahre durch das sogenannte Vectoring-Verfahren, das meist Geschwindigkeiten von 50 bis 100 Mbit ermöglicht, konnte die Klinik nicht profitieren. Bei diesem wurden immerhin bis zu den großen grauen Kästen, die nach und nach in den größeren Orten auftauchten, moderne Glasfaser-Kabel verlegt. Dieser Ausbau ist mit dafür verantwortlich, dass heute 76,4 Prozent der Haushalte in Niedersachsen sich für einen Anschluss mit mindestens 50 Mbit entscheiden könnten. Doch die Technologie hat Nachteile, bei intensiver, gleichzeitiger Nutzung wird sie beispielsweise langsamer, so dass das Verfahren heute nicht mehr als zukunftsfähig gilt. Und das, wo einige Dörfer auf dem Land selbst auf diese Verbesserung noch warten. Das schnelle Internet ist aber längst nicht überall angekommen. Während Städte zu 90 Prozent gut und schnell angebunden sind, gibt es ländliche Regionen, wo nur jeder Vierte schnell angeschlossen ist.

Soll man nun auf dem Land erst einmal das kostengünstige Vectoring-Verfahren einsetzen, das weiter auf Kupferkabel und Geschwindigkeiten bis maximal 100 Mbit setzt?

Zukunft geht nur mit Glasfaser, die bis ins Gebäude hinein verlegt wird. Aber ein wirklich flächendeckender Ausbau wird lange dauern. Um zu verdeutlichen, wie abgeschlagen Deutschland bei der Versorgung mit Glasfaseranschlüssen ist, wird gern der OECD-Vergleich herangezogen, in dem Deutschland Platz 28 von 32 belegte.

Inzwischen gibt es Anzeichen der Besserung, zumindest treten immer mehr Akteure ins Feld, die insbesondere Unternehmen an das Glasfaser-Netz anschließen möchten, wie zum Beispiel die dänische GlobalConnect oder die Deutsche Glasfaser Holding GmbH, die derzeit unter anderem in den Landkreisen Diepholz und Hildesheim Orte an das Glasfasernetz anschließen möchte, wenn sich mindestens 40 Prozent der Haushalte für Glasfaser entscheiden. In den anderen Orten passiert dann erst einmal nichts. Daher wird es weitere Instrumente geben müssen, um zumindest ein annähernd flächendeckendes Glasfasernetz aufzubauen.

Und auch das Interesse der Unternehmen an der schnellen Glasfaseranbindung muss noch wachsen. Der hannoversche Telekommunikationsanbieter htp hatte bereits im vergangenen Jahr mit einem größeren Ansturm gerechnet: „Viele Gewerbebetriebe haben die Notwendigkeit für einen Glasfaser-Anschluss offensichtlich noch nicht erkannt“, sagte htp-Geschäftsführer Thomas Heitmann bei der Jahrespressekonferenz im Mai.

Aufgrund der hohen Kosten und der begrenzten Verfügbarkeiten von Baukapazitäten empfehlen die niedersächsischen Industrie- und Handelskammern, vorrangig Gewerbegebiete und -standorte sowie Schulen und Mobilfunksendemasten per Glasfaser zu erschließen, so dass diese bereits für den bevorstehenden Aufbau des 5G-Datennetzes vorbereitet sind.

5G: Schneller, nicht weiter
Das 5G-Netz soll Geschwindigkeiten bis zu 10 Gbit ermöglichen, bei einem geringeren Stromverbrauch und größerer Kapazität als etwa LTE. Allerdings ist wohl auch die Reichweite gering. Bitkom-Präsident Berg sorgte bei der Cebit-Eröffnung für einen Lacher, als er deutlich machte, dass etwa alle 200 Meter ein Funkturm stehen müsste, um eine flächendeckende 5G-Versorgung zu schaffen, wie sie unter anderem von der Bundesregierung angestrebt wird. Es muss also noch diskutiert werden, wie der Ausbau am sinnvollsten ausgestaltet wird. Es sei denn, man überlässt es den Netzbetreibern, die dann dort beginnen, wo sie mit der Technologie am meisten Geld verdienen können – was logisch ist, wenn sie zuvor die Lizenzen ersteigern.

Viel Geld für Gigabit-Glasfaser
Das Land hat angekündigt, 1 Mrd. Euro für den Breitbandausbau in Niedersachsen bereitzustellen (abzüglich einiger Millionen zur Einführung der elektronischen Akte für die Verwaltung). Die Bundesregierung hat in ihren Koalitionsvertrag eine Summe von 10 bis 12 Mrd. Euro für flächendeckende Glasfaser-Netze geschrieben. Die schnellen Netze sind Voraussetzung für den Einsatz und den Durchbruch neuer Technologien. Anwendungen, die auf künstliche Intelligenz, autonomes Fahren oder Augmented Reality setzen, brauchen das Gigabit-Netz.