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Freytag: Sonderwünsche in Serie

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Verwaltung, Geschäftsführung
Verwaltung, Geschäftsführung und Vertrieb: Elke (li.), Heinrich und Victoria Thies teilen sich die Arbeit auf. Foto: Georg Thomas
Das Elzer Unternehmen Freytag rüstet Fahrzeuge für Bundeswehr, THW und Rettungsdienste aus. Die Auftragsbücher sind für die nächsten fünf Jahre mehr als ausreichend gefüllt.

Eine Stunde und ein paar Anrufe würden genügen. „Dann hätten wir einen Auftrag über 150 weitere Fahrzeuge so gut wie sicher“, sagt Heinrich Thies, Geschäftsführer der Freytag Karosseriebau GmbH & Co. KG. Aufträge abzulehnen, ist für das Elzer Unternehmen inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr. „Wir bekommen jeden Tag mehrere Anfragen, die wir gar nicht alle bedienen können“, sagt der 57-Jährige, der das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Elke und inzwischen auch Tochter Victoria führt. Für die nächsten fünf Jahre ist das Familienunternehmen, das Fahrzeuge für individuelle Nutzungen konstruiert und baut oder für besondere Einsatzzwecke umrüstet, praktisch ausgebucht. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf insgesamt rund 120 Mio. Euro. „Wir freuen uns aber natürlich auch über neue Aufträge“, sagt Thies. Die Sonderfahrzeuge von Freytag sind vor allem bei der Bundeswehr, Feuerwehren und im Katastrophenschutz gefragt. In den vergangenen Jahren hat Freytag zahlreiche Ausschreibungen für Großaufträge gewonnen. Rund 2500 Fahrzeuge hat Freytag allein an die Bundeswehr geliefert. Darunter mehr als 1600 Transporter, die Freytag für die Zwecke der Truppe ausstattete. VW machte dabei alles, was in Serie möglich ist, zum Beispiel das Allrad-Fahrwerk, und in Elze wird dann umgerüstet und Tarnbeleuchtung, Waffenhalterungen, Funkgerät und zusätzliche 24-Volt-Stromversorgung eingebaut.

Sorgen, solche Aufträge nicht mehr zu gewinnen, macht sich Heinrich Thies nicht. „Das kann doch heute keiner mehr außer uns“, sagt er. Auch nach passenden Ausschreibungen müsse er nicht suchen. „Meistens werden wir sogar aufgefordert, ein Angebot abzugeben“, so der Geschäftsführer. Thies war selbst zwölf Jahre bei der Bundeswehr, zuletzt als Chef einer Panzeraufklärungskompanie. Dann entschied er sich bewusst für das Aufhören und den Wechsel in das Unternehmen. Der Bundeswehr ist er bis heute eng verbunden, was nicht zuletzt der ausrangierte Bo-105-Hubschrauber verdeutlicht, den er auf dem Gelände aufgestellt hat.

Auch Sorgen um Fachkräfte plagen den Unternehmer nicht. Im Gegenteil: „Wir bekommen ständig Bewerbungen von guten Leuten“, sagt Thies. So ist Freytag in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen. „Und wir haben alles aus eigenen Mitteln finanziert“. Heute zählt das Unternehmen rund 70 Mitarbeiter. Als er den Betrieb Anfang der neunziger Jahre von seinem Schwiegervater Otto Freytag kaufte, hatte der Betrieb zwölf Mitarbeiter, die am Stammsitz des 1890 gegründeten Unternehmens im Elzer Ortsteil Wülfingen arbeiteten.

Im Laufe der Jahre wurde aus dem kleinen Standard-Karosseriebauer der mittelständische Sonderfahrzeugbauer Freytag. Vor rund 15 Jahren folgte der Umzug ins Elzer Gewerbegebiet, wo auf den Hallen der Hannibal zugeschriebene Leitsatz nachzulesen ist: „Aut viam inveniam aut faciam“, übersetzt: „Entweder ich finde den Weg, oder ich bahne mir einen!“

Mit der Größe des Betriebs wuchsen auch die Aufträge: So baute Freytag unter anderem mehr als 100 Auflieger mit mobiler Röntgen-Einheit, die seitdem deutschlandweit und auch in europäischen Nachbarländern unterwegs sind, um flächendeckend Mammographie-Screenings zu ermöglichen.

„Bei Logistikfahrzeugen sind wir in Europa inzwischen, gemessen an der Stückzahl, an erster Stelle“, sagt Thies. Es sind vor allem Gerätewagen für Feuerwehren, die in Rollcontainern allerlei Werkzeuge, Geräte und Materialien aufnehmen, von Lampen, Atemschutzgeräten bis zu Ölbindemitteln. Auch die Rollcontainer stellt das Unternehmen selbst her. Aktuell arbeiten die Mitarbeiter gerade zwei Großaufträge ab. Für das THW baut Freytag 151 Gerätewagen als Generalunternehmer. Und dann sind da noch 177 Einsatzfahrzeuge und 400 Führungs-und Kommunikationsfahrzeuge auf T6-Basis für die Feldjäger der Bundeswehr, die in mehreren Tranchen bis Ende nächsten Jahres ausgeliefert werden. Während Heinrich Thies im operativen Geschäft aufgeht, konzentriert sich seine Frau Elke auf die Verwaltung, Buchhaltung und Personalfragen. Tochter Victoria ist Anfang des Jahres offiziell nach ihrem Wirtschaftsingenieursstudium eingestiegen – sie kümmert sich im Schwerpunkt um den Vertrieb.

In Elze erstreckt sich das Unternehmen auf rund 55 000 Quadratmeter Fläche und neun Hallen mit rund 8000 Quadratmeter Fläche.

Die Zahl der Beschäftigten soll in nächster Zeit auf mehr als 100 steigen, um die Aufträge schneller abarbeiten zu können. Derzeit schafft Freytag etwa 15 Fahrzeuge pro Woche. „In diesem Jahr wird unser Umsatz bei etwa 30 Mio. Euro liegen“, sagt Thies. Und wenn er sich ein Ziel setzt, dann erreicht er es auch.

Die ausgemusterte Bo 105 erinnert Heinrich Thies an seine Zeit als Soldat: Heute ist die Bundeswehr einer der wichtigsten Kunden des Unternehmens.
Logistikfahrzeuge sind ein wichtiger Markt für Freytag: Immer mehr Feuerwehren nutzen ein Fahrzeug aus Elze. Für das THW baut Freytag gerade 151 Gerätekraftwagen.