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Integrationsmoderatoren als Berater, Vermittler und Begleiter

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Foto: Georg Thomas

Von der Beratung der Unternehmen bis zur Begleitung zum Vorstellungsgespräch: Seit Juni 2017 bringen die drei Integrationsmoderatoren der IHK Hannover Flüchtlinge mit Unternehmen zusammen, die ihnen eine berufliche Perspektive bieten wollen. Wir haben einen Arbeitstag* aufgezeichnet.

7.30 Uhr, Hildesheim: Für Vaclava Dunovska beginnt der Arbeitstag mit der Fahrt nach Holzminden, wo sie um 9 Uhr zunächst am „Runden Tisch Migration“ im Jobcenter Holzminden teilnimmt und sich später in der Kreisvolkshochschule Holzminden mit Vertretern des Landkreises und anderen Integrationsmoderatoren trifft, um zu besprechen, wie in den Berufsschulen das Erlernen von berufsbezogem Deutsch unterstützt werden kann.

8.55 Uhr, Göttingen: Maria Eiselt macht sich auf den Weg nach Osterode am Harz. Das injoy Fitnessstudio hat sich vor einigen Tagen bei ihr gemeldet, weil es einen jungen Flüchtling einstellen möchte. Es geht um eine Ausbildung zum Fitnesskaufmann und das Unternehmen hat viele Fragen, was dabei zu beachten ist.

9 Uhr, Hannover: Der Arbeitstag von Thorsten Peick beginnt im Büro, bevor er sich auf den Weg nach Seelze macht, wo er um 10 Uhr einen Termin mit einem Unternehmen hat. Dem Hans Strickling Werkskundendienst ist ein junger Mann empfohlen worden, der mit seinem Können in einem technischen Aushilfsjob überzeugt hat. Der 34-Jährige Syrer bringt bereits einen Berufsabschluss aus seiner Heimat mit, den er in Deutschland anerkennen lassen möchte. Ihm fehlt noch etwas Berufspraxis, die er im Rahmen einer sogenannten Anpassungsqualifizierung bei Strickling erwerben möchte. Was sich dahinter genau verbirgt, wie so etwas abläuft, dass sich die Bezahlung am Niveau einer Ausbildung orientiert und nicht mindestlohnpflichtig ist, darüber informiert Thorsten Peick an diesem Tag das Unternehmen. Wenige Tage später erhält er die Mitteilung, dass die Firma mitmacht. Zwei Wochen Praktikum, danach Anpassungsqualifizierung.

10.58 Uhr, Osterode: Nach dem Beratungstermin geht es für Maria Eiselt zurück ins Büro in der IHK-Geschäftsstelle. In Holzminden trifft sich Vaclava Dunovska mit einem Flüchtling, um dessen Bewerbungsunterlagen zu überarbeiten. Sein Ziel ist eine Ausbildung im IT-Bereich.

11.20 Uhr, Göttingen: Zeit zum Mails checken, beantworten und um die aufgelaufenen Rückrufe abzuarbeiten. Von der Hann. Mündener Niederlassung der Klaus Faber AG sind per Mail die Stellenbeschreibungen eingegangen, die Maria Eiselt später an passende Kandidaten weiterleiten wird. Das Unternehmen, Großhändler für Kabel- und Leitungen, möchte Flüchtlinge als Maschinen- und Anlagenführer sowie als Fachlageristen ausbilden. Vor einigen Tagen hatte Maria Eiselt die Firma besucht und beraten. Auch hier ging es vor allem um rechtliche Fragen, die sie beantwortet: Was passiert, wenn der Asylantrag des Auszubildenden abgelehnt wird? Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Bei ihrem Besuch hat sie sich zudem ein Bild von den Arbeitsplätzen gemacht und sich nach den Anforderungen erkundigt, um die richtigen Bewerber identifizieren zu können. Etwa 80 Profile von Flüchtlingen hat allein Maria Eiselt in ihrer Kartei. Ähnlich viele sind es bei Vaclava Dunovska, die am frühen Nachmittag wieder in Hildesheim ist.

Foto: Georg Thomas, Maria Eiselt berät Inza von der Elfenbeinküste, der langfristig eine Ausbildung als Fachlagerist in Göttingen anstrebt.

In Hannover ist auch Thorsten Peick zurück. Per Mail sind einige Dokumente von Flüchtlingen eingegangen, mit denen er die Lebensläufe ergänzt. Jeder Flüchtling, den er berät, erhält einen Lebenslauf, aus dem seine erworbenen Qualifikationen deutlich werden.

13.00 Uhr, Göttingen: Bei einem Treffen mit der Bildungsregion Göttingen und Vertretern des Landkreises Göttingen berichtet Maria Eiselt von einigen ihrer „Fälle“. Ziel des Gesprächs ist es, aktuelle Probleme zu identifizieren und zu überlegen, wie Verbesserungen erreicht werden können. Es geht unter anderem darum, wie die Flüchtlinge noch besser und zielgerichteter auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt vorbereitet werden können.

13.45 Uhr, Lehrte: Thorsten Peick begleitet eine 29-jährige Syrerin zu einem Bewerbungsgespräch bei einem Verpackungshersteller, der eine Ausbildungsstelle als Kauffrau für Büromanagement besetzen möchte. In ihrer Heimat hat die junge Frau nach ihrem Abitur einige Jahre gearbeitet. Jetzt soll es zunächst eine Einstiegsqualifizierung sein, an die sich eine Ausbildung anschließt. Allerdings hegt das Unternehmen Zweifel, ob die Sprachkenntnisse für die Ausbildung reichen. Die junge Frau wird nun einen Kurs belegen, um das C1-Niveau zu erreichen und dann die Ausbildung bei dem Unternehmen beginnen zu können.

Im Anschluss, zurück im Büro: Es bleibt Zeit, um potenzielle Ausbildungsbetriebe anzusprechen, die zu den Wünschen und Qualifikationen der Flüchtlinge passen. Auf diesem Weg hat Vaclava Dunovska im vergangenen Jahr auch für Rami al Asadi einen Ausbildungsplatz gefunden. Der junge Syrer macht seit Sommer 2017 in der Hildesheimer Tankstelle von Sahin Kurt eine Ausbildung. Der Unternehmer hatte bei einer Abfrage der IHK signalisiert, dass er einem jungen Flüchtling eine berufliche Perspektive bieten würde. Und Kurt ist sehr zufrieden mit seinem Auszubildenden. Es ist eine von mehreren Erfolgsgeschichten, an der auch die drei Integrationsmoderatoren in der IHK-Region ihren Anteil haben.

Foto: IHK, Vaclava Dunovska (v.r.n.l.) begleitete den 25-jährigen Syrer Mohammed Alashkar zu einem Bewerbungsgespräch mit Ibrahim Sencan von der Hastrabau GmbH & Co. KG.

Zahlen und Fakten
Seit dem Start im Juni 2017 haben Vaclava Dunovska, Maria Eiselt und Thorsten Peick
■ mehr als 200 Unternehmen beraten
■ mehr als 350 Flüchtlinge beraten
■ mehr als 118 Mal Flüchtlinge in Praktikum (54), Ausbildung (35), Qualifizierung (18)
oder Beschäftigung (11) vermittelt
■ auf zahlreichen Veranstaltungen und Messen informiert.

Kontakt

Göttingen:
Maria Eiselt
0551/70710-23, eiselt@hannover.ihk.de

Region Hannover:
Thorsten Peick
0511/3107-540, peick@hannover.ihk.de

Hildesheim und Holzminden:
Vaclava Dunovska
05121/105-20, dunovska@hannover.ihk.de