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K(ein) weißer Fleck

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Foto: Insa Hagemann

Die Vision Lasertechnik GmbH aus Göxe bei Hannover wurde für ihr Digitalisierungsprojekt „Smart Factory“ mit dem niedersächsischen Wirtschaftspreis in der Kategorie Mittelstand ausgezeichnet.

Dieser Ort war lange ein weißer Fleck. In Zeiten des Kalten Krieges gehörte das an ein Wildschutzgebiet angrenzende heutige Firmengelände von Vision Lasertechnik der Telekom, die im südwestlich von Hannover gelegenen Göxe einen Atomschutzbunker betrieb, um im Angriffsfall die Kommunikation der angrenzenden Ballungszentren sicherzustellen. Jahrelang war das Grundstück, auf dem Vision Lasertechnik seit 2005 zuhause ist, auf Karten nicht verzeichnet. In dem mit Rasen bedeckten, unterirdischen Telekom-Bunker sind heute IT und Labore untergebracht.

Das 1984 von Dirk Haußmann gegründete Unternehmen hat sich auf die Herstellung von Lasersystemen zum Laserschweißen und -schneiden sowie zur Laserbeschriftung spezialisiert. Für das Digitalisierungsprojekt „Smart Factory“ wurde die Vision Lasertechnik GmbH Ende November mit dem Niedersächsischen Wirtschaftspreis 2017 in der Kategorie Mittelstand ausgezeichnet. Das Unternehmen hat sich dabei gegen 40 Bewerber durchgesetzt und die Jury mit smarten Systemlösungen überzeugt, die die Maschinen digital verknüpfen. Philipp Becker, kaufmännischer Leiter und Projektleiter, nahm den Preis von Dr. Bernd Althusmann entgegen. „Die niedersächsische Wirtschaft ist überwiegend von kleinen und mittleren Betrieben geprägt. Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, dass sich die Unternehmen dem Megatrend unserer Zeit – der Digitalisierung – stellen und die Herausforderung aktiv annehmen. Umso mehr freue ich mich über die Konzepte der ausgezeichneten Unternehmen, Digitalisierung in ihren Unternehmen umzusetzen und dabei auch die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu berücksichtigen“, so der Wirtschaftsminister. Jurymitglied Dr. Bernd Meier von der IHK Niedersachsen lobte, dass Vision Lasertechnik „rechtzeitig erkannt hätte, wo die Zukunftschancen liegen“. Und: „Sie waren schnell, Sie haben die Mitarbeiter mitgenommen, Sie haben die Kunden mitgenommen – Sie haben alles richtig gemacht.“

Foto: Insa Hagemann

„Ich habe mich persönlich sehr über den Preis gefreut“, erklärt Becker, der seit 2013 zusammen mit Haußmann die Geschäftsführung bildet. „Das Projekt war wie eine lange Reise. Aber wie es aussieht, nicht die schlechteste.“ Als Student hatte der heute 36-Jährige bereits eine Software-Firma in Oldenburg gegründet. 2007 startete er als Praktikant bei Vision. „Wir haben vor circa zehn Jahren damit begonnen, problembehaftete Betriebsabläufe digital zu lösen.“ Irgendwann hat ein Mitarbeiter dem Digitalisierungsprojekt den Namen „GINI“ – gesprochen: Dschienie – gegeben. Inzwischen verwenden alle Mitarbeiter diesen Namen. Das Projekt basiert auf einer sogenannten In-memory-Technologie und stellt auf Basis einer Künstlichen Intelligenz eine Analyse aller vernetzten und am Produktionsprozess beteiligten Systeme und Maschinen dar. Die Maschinen werden so überwacht, dass Produktionsfehler im laufenden Prozess analysiert und korrigiert werden können. GINI erkennt beispielsweise, wenn eine Transportbox mit Produkten nicht in den richtigen LKW verladen wurde. GINI informiert die Mitarbeiter auch per Dashboard, welche Produkte sie als nächstes produzieren müssen. Das System bietet zudem die Möglichkeit, auch ältere Maschinen und Anlagen ohne Netzwerkverbindungen zu vernetzen (Retro-Fit).

Foto: Blachura

Besonders wichtig war Becker dabei, die Mitarbeiter mitzunehmen. „Wir haben vor vier Jahren einen Zerspaner eingestellt, der im Vorstellungsgespräch gesagt hat, dass er sich überhaupt nicht für Computer interessiert. Jetzt ist er derjenige, der die Smart Factory leitet“, so Becker. „Wir achten überall darauf, dass wir keinen großen Schulungsaufwand haben und machen es bewusst so, dass alle damit arbeiten können. Bislang hat sich laut Becker kein einziger Mitarbeiter über GINI beklagt. Inzwischen setzen auch Kunden und Lieferanten die Digitalisierungslösungen ein; hierfür wurde bei Vision eine neue Software-Abteilung geschaffen.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung geht bei Vision Lasertechnik weiter. Im Bereich Zerspanung könnte das Unternehmen nach Beckers Einschätzung 60 bis 70 Prozent der Arbeit von Robotern machen lassen. „Aber das wollen wir nicht.“

Foto: Insa Hagemann
Vision Lasertechnik

Der Gewinner des niedersächsischen Wirtschaftspreises entwickelt und produziert Lasersysteme für Branchen wie Automotive, Elektronik, Solar oder Medizin. Der Fokus liegt auf dem Laserschweißen und dem Sonderanlagenbau. Produziert wird vor den Toren Hannovers in Göxe und Barsinghausen sowie in Chemnitz. Vision Lasertechnik exportiert seine Produkte in über 20 Länder der Welt. 75 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Export, allen voran Südkorea, Japan, China und die USA. 2011 hat das Unternehmen angefangen, an den Standorten seiner Kunden Büros zu gründen – zuerst in Shanghai, danach kamen Japan, Südkorea und Taiwan dazu. Heute arbeitet die Hälfte der weltweit 120 Mitarbeiter im Ausland.

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Barbara Dörmer

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