Start IHK Kommentiert Was vor uns liegt

Was vor uns liegt

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Dr. Schrage / IHK Hannover / Oktober 2015
Dr. Schrage / IHK Hannover / Oktober 2015

Dr. Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover, kommentiert:

Über 90 Prozent unserer Mitgliedsbetriebe sind am Ende dieses Jahres mit ihrer Geschäftslage zufrieden und blicken optimistisch in die Zukunft. Nach sechs Jahren stabilen Wirtschaftswachstums hat auch der Beschäftigungsstand Rekordniveau erreicht, mit spürbarem Einkommensanstieg für die Arbeitnehmer, einem soliden Finanzierungspolster bei den Sozialversicherungen und sprudelnden Steuerquellen. Also nur Optimismus und Zuversicht fürs Neue Jahr?

Vorsicht, zu allzu großer Selbstzufriedenheit besteht kein Anlass, denn Politik und Wirtschaft müssen jetzt die bislang aufgeschobenen Herausforderungen angehen. Ein zunehmender Fachkräftemangel wird von vielen unserer Unternehmen als größtes Risiko für ihre künftige Geschäftsentwicklung angesehen. Deutlich mehr Facharbeiter wechseln in den Ruhestand, als junge Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung nachrücken. Das ist nicht nur auf die Demografie zurückzuführen. Immer mehr Schüler wollen das Abitur und danach studieren – vor allem, weil sie kaum eine Vorstellung von einer beruflichen Ausbildung haben. Um das zu ändern, hat unsere IHK deshalb jugendliche Ausbildungsbotschafter in alle allgemeinbildenden Schulen unseres Kammerbezirks entsandt. Mit einer verbindlichen Berufsorientierung in allen Schulen könnte die neue Landesregierung unsere Anstrengungen wirksam unterstützen. Darüber hinaus muss die Förderung der höheren Berufsausbildung, etwa zum Industriemeister, genauso unterstützt werden wie die akademische. Die Digitalisierung hält in praktisch allen Wirtschaftsbereichen mit hoher Geschwindigkeit Einzug. Unternehmen und ihre Mitarbeiter, unabhängig vom Alter, müssen sich anpassen, aber es bieten sich auch Chancen für Effizienz und neue Geschäftsmodelle. Im Verbund mit anderen bietet unsere IHK hier Beratung und Erfahrungsaustausch. Dass die neue Landesregierung Digitalisierung im Wirtschaftsministerium bündeln will, ist zu begrüßen.

Ganz klar: Vor allem die Gewerbegebiete brauchen den Bereitbandausbau. Investitionen in die digitale Infrastruktur und in die Bildung sind zwei ganz wesentliche Aufgaben für das nächste Jahr. Die Voraussetzungen dafür in Staat und Wirtschaft sind wohl schon lange nicht mehr so günstig gewesen. Gerade in guten Zeiten sollten Investitionen Vorrang haben vor konsumtiven Ausgaben und dauerhaften Lasten, die in schlechteren Zeiten nicht tragbar sind.