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Buch aus dem Baumarkt

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Dr. Martin Creutzig

Ein Unterhaltungsroman aus der Feder eines Unternehmers: keineswegs alltäglich. Dr. Martin Creutzig hat jetzt erstmals ein Buch veröffentlicht.

Einen Versicherungsmanager aus Hannover verschlägt es nach einer schon im Ansatz komplett gescheiterten Beziehung nach Venezuela, wo ihm mitten in der Wirtschaftskrise die Ölindustrie Aufgaben bietet und wo es zunächst auch privat besser läuft – was aber nicht von Dauer ist und zur Rückkehr an die Leine und zum Wiedersehen mit der Frau führt, wegen der er nach dem desaströsen Rendevouz Deutschland verließ. Auf 300 Seiten erzählt Dr. Martin Creutzig die Geschichte von John, Caro und Carmen. Creutzig führt in dritter Generation die 1924 gegründete Friedrich Lichtenberg GmbH & Co. KG, die in Springe einen Hagebaumarkt betreibt.

Herr Dr. Creutzig, mögen Sie eigentlich Hannover?
Ja, sehr!

Das merkt man auf den ersten Seiten Ihres Romans aber nicht, da wird die Stadt wüst beschimpft.
Ich habe einfach alle Vorurteile, die es über Hannover gibt, in das Buch gebracht, über die Figur Caro von Waldeck, die von Hamburg nach Hannover versetzt wird und das ganz fürchterlich findet.

Wobei wir nicht verraten werden, ob sich das im Verlauf der Handlung noch ändert. In welche Kategorie würden Sie Ihr Buch einordnen?
Unterhaltungsroman, Sie können auch sagen: Beziehungsroman. Es geht um drei Beziehungen, in die vier meiner Figuren verwickelt sind.

„Liebeslos“ ist Ihr erstes Buch?
Der erste Roman, der veröffentlicht wird. Als Fachbuch gibt es von mir bereits die Neue Großhandelsbetriebslehre. Aber schon seit 2008 schreibe ich in privatem Rahmen – Geschichten oder Krimis, die ich der Familie oder Freunden zum Lesen gebe.

Ihr Pseudonym ist Max Ford. Da drängt sich die Frage auf, ob Sie einen Ford fahren?
Nee.

Sondern?
Ich habe es mit den britischen Automarken und fahre einen Oldtimer, einen Jaguar.

Und warum ein Pseudonym, wenn gleich in der ersten Pressemitteilung zum Buch Ihre Identität gelüftet wird? Sonst säßen wir ja jetzt nicht hier.
Wissen Sie, jedes Pseudonym kann man knacken. Es geht gar nicht in erster Linie darum, die Identität zu verbergen. Aber Max Ford denkt und schreibt anders, als Martin Creutzig es je machen könnte. Er gibt mir mehr Freiheit, Inhalte und Verhältnisse zu beschreiben. Es ist einfach eine andere Rolle, in der ich als Max Ford bin, als die des Unternehmers und Managers, bin.

Und wie viel Martin Creutzig steckt in Ihren Romanfiguren?
In jeder Figur steckt etwas von mir, sonst wäre es schizophren. Sobald die Figur in der eigenen Vorstellung existiert, hat sie etwas von einem selbst. Die Arroganz, der Narzissmus einer Caro von Waldeck – wer könnte sich von solchen Zügen freisprechen? Ist aber andererseits auch alles Fantasie.

In Ihrem Roman nimmt Erotik eine wesentliche Rolle ein. Ist das nicht ein Risiko, wenn man als Unternehmer in einer überschaubaren Stadt wie Springe verwurzelt ist?
Die Erotik ist für die Dramaturgie des Buches wichtig. Sie wird instrumentell eingesetzt von Caro, während John Paulus, die andere Hauptfigur, dabei seine Ohnmacht spürt. Im Laufe der Handlung merkt dann aber auch Caro, dass sie mit der Situation nicht umgehen kann, und fühlt sich selbst ohnmächtig. Aber ja: Die Erotik ist ein Risiko, wir haben darüber auch im Verlag diskutiert. Am Ende gibt es wie bei jedem Risiko nur die Frage: Ja oder nein? Jetzt bin ich natürlich gespannt auf die Resonanz.

Und Venezuela? Da spielt ein bedeutender Teil des Romans: John Paulus, zu Beginn des Buches Versicherungsmanager in Hannover, verschlägt es nach Caracas, wo er versucht, die venezolanische Ölindustrie auf Vordermann zu bringen. Waren Sie dort, gibt es besondere Beziehungen?
Im Augenblick ist Venezuela einfach ein spannungsgeladenes Land, ökonomisch und politisch, mit dem Staatschef Maduro und seiner Abneigung gegen die USA und seinem Misstrauen gegenüber der Weltbank. Da ist die Rolle der katholischen Kirche, die ich bei der Bewältigung der Konflikte als kontraproduktiv empfinde. Und die Ölindustrie, die es nicht schafft, etwas aus sich zu machen. Aber den Anstoß gab eine Venezolanerin, die ich als Anhalterin mitgenommen habe und die mir dann einen ganzen Tag lang von sich und ihrem Land erzählte. Sie hatte indianische Wurzeln, mütterlicherseits lebte ihre Familie eine Generation vor ihr noch im Dschungel. Ihr Vater kommt aus Deutschland, und um seine Heimat kennenzulernen, war sie auf dem Weg nach Berlin. Vieles von ihr steckt in der Figur der Dyani, der Mutter von John venezolanischer Freundin Carmen, einer weiteren Hauptperson in „Liebeslos“.

Wenn Sie Johns Ankunft in Caracas beschreiben oder den Weg durch die Treppenhäuser der bewohnten Hochhausruine Torre de David, dann liest sich das wie eine Reportage. Sie waren aber nicht dort?
Nein. Tatsächlich lässt sich das aber sehr gut recherchieren, gerade auch der Torre de David. Und ich würde zurzeit auch auf keinen Fall nach Venezuela reisen.

Diese Beschreibungen sind wie Kulissen, in denen sich die Figuren Ihres Romans bewegen. Das gilt noch mehr für Hannover: John Paulus arbeitet für die VGH und lebt in Vahrenwald, die Ex-Hamburgerin Caro natürlich im Zooviertel, ein US-amerikanischer Stararchitekt steigt in Kastens Hotel Luisenhof ab, Ministerpräsident Weil taucht zusammen mit VW kurz auf. Hannover ist noch ungesehen, sagte vor kurzem ein Regisseur. War das für Sie auch ein Grund, die Geschichte an die Leine zu legen?
Eigentlich war es keine bewusste Entscheidung. Ein unveröffentlichtes Buch spielt zum Beispiel in Frankfurt, und „Liebeslos“ hätte überall spielen können. Aber es ist nunmal so, dass ich Hannover toll finde, und auch unterschätzt, während Hamburg beispielsweise häufig überschätzt wird. Ich fahre oft nach Hannover, sogar zum Joggen. Nehmen Sie nur mal die Maschseerunde. Ich liebe sie, die vielen Leute, die man dort trifft, und das fast zu jeder Tages- und Nachtzeit – wenn man überholt wird, ärgert man sich, wenn man schneller ist, freut man sich. Aber abgesehen davon: Hannover als Romanschauplatz war einfach mal dran.

Mal grundsätzlich: Welche Rolle spielt das Schreiben für Sie?
Es bedeutet für mich Kreativität. Und es ist ja nicht so, dass man nicht auch als Unternehmer kreativ sein müsste, sein muss. Schreiben ist für mich eine Möglichkeit, meine kreative Seite auszuleben und fit zu halten. Dabei nehme ich auf, was gerade passiert. Beim Rasenmähen oder beim Autowaschen, also bei Tätigkeiten, bei denen man nicht so richtig oder nur halb da ist, formuliere ich eine Anfangsidee. Die Geschichte entwickelt sich dann beim Schreiben weiter. Malen kann ich nicht, für Musik habe ich kein Talent, aber Schreiben und Literatur haben mich immer schon interessiert.

Und Schreiben als Ventilfunktion? Zum Abschalten von der täglichen Arbeit, als Freiraum?
Ventilfunktion für die Erholung, ein Mal alles andere aus dem Kopf zu bekommen. Vor allem in der Zeit, als meine Frau intensiv damit beschäftigt war, ein eigenes Unternehmen aufzubauen: Schreiben statt einfach nur vor dem Fernseher sitzen.

Sie holen Literatur auch regelmäßig in Ihren Baumarkt in Springe, etwa mit Lesungen regionaler Krimiautoren.
Nicht nur Literatur. Wir hatten auch schon Margot Käßmann zu einer Diskussionsrunde hier, als sie noch Landesbischöfin war. Ebenso einen Gottesdienst im Baumarkt. Aber tatsächlich auch Lesungen. Kultur auf die Verkaufsfläche zu holen, kann ein Rezept sein, um die Frequenz zu steigern. Das ist in der Hagebau-Organisation noch nicht allzu oft anzutreffen, aber es gibt Beispiele, die zeigen, dass es geht.

Einen Versicherungsmanager aus Hannover verschlägt es nach einer im Ansatz gescheiterten Beziehung nach Venezuela, wo ihm in der Wirtschaftskrise die Ölindustrie Aufgaben bietet und es auch privat läuft – aber nicht dauerhaft, und so kehrt er an die Leine zurück. Auf 300 Seiten erzählt Dr. Martin Creutzig als Max Ford die Geschichte von John, Caro und Carmen. Creutzig führt in dritter Generation die 1924 gegründete Friedrich Lichtenberg GmbH & Co. KG, die in Springe einen Hagebaumarkt betreibt.

Unibuch Verlag, Springe, 332 Seiten, 20 Euro,ISBN 978-3-934900-64-6