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Alles für den richtigen Strich

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Traditionsreiches Handwerkszeug, hergestellt mit aktueller Technik: Dafür steht die Wistoba Pinselfabrik in Bad Lauterberg-Barbis. Seit 100 Jahren werden dort Pinsel und Bürsten gemacht. Und sollte es nötig sein, auch noch per Hand.

Birkenmodler und Dachsvertreiber, Schläger und Abstäuber: Wenn Sie so etwas suchen, dann fahren Sie nach Bad Lauterberg, in den Ortsteil Barbis. Sehr wahrscheinlich wissen Sie aber gar nicht, was Sie da eigentlich suchen. Es sind – Pinsel, oder beim Abstäuber: Bürsten. Einige der rund 2500 Produkte, die von der Wistoba Pinselfabrik Wilhelm Stollberg GmbH & Co. KG hergestellt werden. Pinsel? Kennt man doch. Aber halt: Eineinhalb Stunden und ein Fabrikrundgang mit Thorsten W. und Arndt-Wilhelm Stollberg reichen, um zu wissen, dass man fast nichts weiß über Pinsel und darüber, wie sie gemacht werden. Die Brüder führen das Anfang Dezember 1917 gegründete Unternehmen in dritter Generation. Zusammen mit über 80 Mitarbeitern sorgen sie dafür, dass Jahr für Jahr aus rund 180 Tonnen Borsten sechs bis acht Millionen Pinsel entstehen und verkauft werden.

Verkauft über den Großhandel an Profis – Maler und Lackierer, oder auch Restaurateure. Die werden inzwischen auch über eine App über die richtigen Pinsel informiert. Über 90 Prozent des Sortiments werden am 5500 Quadratmeter großen Standort in Barbis, dem einzigen des Unternehmens, hergestellt. Hinzu kommen nur Künstlerpinsel und Farbwalzen, die das Sortiment abrunden. Spachtel oder Kellen nicht, geschweige denn Klebeband oder Abdeckfolie: „Wir sind“, sagt Thorsten W. Stollberg, „der Spezialist in einer Nische“. Wobei die Betonung auf „der“ liegt. Und folgt man den Stollbergs in diese Nische, wird sie mit jedem Schritt interessanter und schillernder.

Das mag überraschen, denn Pinsel sind ein traditionelles Produkt. Ein sehr traditionelles. Der Maler weiß, was er will: für jeden Zweck genau den richtigen Pinsel, und zwar in Profi-Qualität. Und er weiß genau, welcher das ist, denn das hat ihm schon sein Lehrmeister überliefert. Da verändert sich nichts, Rundpinsel bleibt Rundpinsel. Für Wistoba fängt die Herausforderung jedoch genau hier an: Zwar bleibt der Anspruch an den Pinsel bei Form, Funktion und Qualität gleich. Alles andere nicht.

Das gilt vor allem für die Farbe. In den vergangenen rund drei Jahrzehnten hat Wasser mehr und mehr die Lösungsmittel ersetzt. Neue Lacksysteme erfordern andere Pinsel: „Unser Vater und unser Großvater kannten nur Chinaborsten – aber das Naturmaterial nimmt Wasser auf, wird weich, es muss behandelt oder durch andere Borsten ergänzt werden. Das machen wir“, sagt Arndt-Wilhelm Stollberg, der Techniker. Und weil sie das können, fragen Farbenhersteller in Barbis nach dem richtigen Pinsel für ein neues Lacksystem, bevor es auf den Markt kommt – Wistoba, der Spezialist. Kunstfasern veredeln Naturborsten Veränderungen auch bei den Rohstoffen: Der steigende Lebensstandard in China führt dazu, dass mehr Schweinefleisch gegessen wird, die Tiere früher geschlachtet werden – und die Borsten kürzer sind. Also müssen sie behandelt werden, was aufwändig ist, aber manchmal Vorteile hat, um die Borsten etwa an die neuen Farben oder Lacke anzupassen. Aber „die Rohstoffversorgung ist gesichert“, sagt Arndt-Wilhelm Stollberg, der im November erst in China war. Solche Signale an die Mitarbeiter zu senden, ist den Wistoba-Chefs wichtig. Manche arbeiten ebenso wie ihre Chefs bereits in dritter Generation im Unternehmen: „Wir wissen um die Verantwortung für unsere Familien und die unserer Mitarbeiter.“ Nicht nur die Rohstoffversorgung, auch der Standort insgesamt „ist fix und gesichert.“ Nach und nach wurde die Produktion modernisiert. Heute laufen in Barbis 15 Vollautomaten, das ist in der Branche einmalig in Deutschland, sagen die Stollbergs. Investiert wird Schritt für Schritt, „wir sind da schon durch unseren Vater und Großvater sehr bodenständig“, so Thorsten-W. Stollberg: „Wir stehen auf einem sicheren Teppich, aber wir fliegen damit nicht weg.“

Der Jahresumsatz pendelt sich regelmäßig in einer Größenordnung von 9 bis 10 Mio. Euro ein. Das ist kein Selbstläufer, vor allem wegen der Importkonkurrenz. Mit skurrilen Erscheinungen: Manche Wistoba-Pinsel werden zusätzlich genagelt. Arndt-Wilhelm Stollberg hat in China beobachtet, dass dort die Nagelreihe von Hand imitiert wird, um den Anschein des Qualitätsprodukts zu erwecken. Die deutschen Wegbegleiter aus der Branche allerdings werden weniger. „Niemand kommt heute in Deutschland auf die Idee, eine Pinselfabrik zu bauen“, meint Arndt-Wilhelm Stollberg. „Wo ein Gesicht wegfällt, kommt kein neues nach.“ Die Mitgliederzahl des Verbandes der Deutschen Pinsel- und Bürstenhersteller ist mit rund 100 eher überschaubar, und darunter sind auch Importeure oder Drahtbürsten-Fabrikanten. Das heißt aber auch: Wenn Wis-toba eine neue Maschine braucht, gibt es die nicht von der Stange. Die Pinsel-Experten aus dem Harz müssen dann selbst ran und helfen, die Anlage zu entwickeln. Wie weit dabei sowohl technisches Know-how als auch Verantwortung für die Beschäftigten reichen, zeigt sich daran, dass eine Maschine eigens so eingerichtet wurde, dass eine körperlich eingeschränkte Mitarbeiterin sie mit nur einer Hand bedienen kann.

Auch wenn Pinsel und Bürsten komplett nicht-digitale Produkte sind: Ihre Herstellung wird immer moderner. Die Digitalisierung drängt und bestimmt bei Wistoba längst die Produktionsorganisation. Aber es gibt auch noch die komplette Handarbeit, auch die Ausbildung zum Pinsel- und Bürstenmacher. Ovale Pinsel beispielsweise. Oder die seltenen Dachsvertreiber und Birkenmodler – wie die Schläger sind es Spezialpinsel, die zum Beispiel dazu dienen, auf gemauerten und verputzten Kirchensäulen mit Farbe Marmor zu imitieren. Wenn man die Stollbergs fragt, ob es überhaupt irgendetwas gibt an Pinseln oder Bürsten, was sie nicht machen können, lautet die Antwort schlicht: „Nein.“

Beweis? „Wir haben mal für einen Eichsfelder Landwirt eine Wettwurstwaschanlage mitentwickelt.“ Aber das war nur so zum Spaß. Ernst, bitterernst nehmen sie die Qualität, den Traditionsnamen Wistoba. Nur darüber, das wissen die Stollbergs, und getragen von der Kompetenz der Mitarbeiter und ihrer Verbundenheit mit dem Unternehmen, ist es zu schaffen, dass die so traditionsbewussten Maler auch künftig nach Wistoba-Pinseln fragen. „Wie vor 100 Jahren – nur besser“, das ist die Botschaft des Jubiläumsjahres. Den Anspruch formuliert Thorsten-W. Stollberg: „Ein Wistoba-Pinsel ist nicht vergleichbar.“ Stößt man, etwas verborgen im südlichen Harz in einem Ortsteil Bad Lauterbergs, auf einen Hidden Champion? Die Brüder Stollberg kennen den Begriff, aber sie schmücken sich nicht damit. Sie sind es.

Das gilt vor allem für die Farbe. In den vergangenen rund drei Jahrzehnten hat Wasser mehr und mehr die Lösungsmittel ersetzt. Neue Lacksysteme erfordern andere Pinsel: „Unser Vater und unser Großvater kannten nur Chinaborsten – aber das Naturmaterial nimmt Wasser auf, wird weich, es muss behandelt oder durch andere Borsten ergänzt werden. Das machen wir“, sagt Arndt-Wilhelm Stollberg, der Techniker. Und weil sie das können, fragen Farbenhersteller in Barbis nach dem richtigen Pinsel für ein neues Lacksystem, bevor es auf den Markt kommt – Wistoba, der Spezialist. Kunstfasern veredeln Naturborsten Veränderungen auch bei den Rohstoffen: Der steigende Lebensstandard in China führt dazu, dass mehr Schweinefleisch gegessen wird, die Tiere früher geschlachtet werden – und die Borsten kürzer sind. Also müssen sie behandelt werden, was aufwändig ist, aber manchmal Vorteile hat, um die Borsten etwa an die neuen Farben oder Lacke anzupassen. Aber „die Rohstoffversorgung ist gesichert“, sagt Arndt-Wilhelm Stollberg, der im November erst in China war. Solche Signale an die Mitarbeiter zu senden, ist den Wistoba-Chefs wichtig. Manche arbeiten ebenso wie ihre Chefs bereits in dritter Generation im Unternehmen: „Wir wissen um die Verantwortung für unsere Familien und die unserer Mitarbeiter.“ Nicht nur die Rohstoffversorgung, auch der Standort insgesamt „ist fix und gesichert.“ Nach und nach wurde die Produktion modernisiert. Heute laufen in Barbis 15 Vollautomaten, das ist in der Branche einmalig in Deutschland, sagen die Stollbergs. Investiert wird Schritt für Schritt, „wir sind da schon durch unseren Vater und Großvater sehr bodenständig“, so Thorsten-W. Stollberg: „Wir stehen auf einem sicheren Teppich, aber wir fliegen damit nicht weg.“

Der Jahresumsatz pendelt sich regelmäßig in einer Größenordnung von 9 bis 10 Mio. Euro ein. Das ist kein Selbstläufer, vor allem wegen der Importkonkurrenz. Mit skurrilen Erscheinungen: Manche Wistoba-Pinsel werden zusätzlich genagelt. Arndt-Wilhelm Stollberg hat in China beobachtet, dass dort die Nagelreihe von Hand imitiert wird, um den Anschein des Qualitätsprodukts zu erwecken. Die deutschen Wegbegleiter aus der Branche allerdings werden weniger. „Niemand kommt heute in Deutschland auf die Idee, eine Pinselfabrik zu bauen“, meint Arndt-Wilhelm Stollberg. „Wo ein Gesicht wegfällt, kommt kein neues nach.“ Die Mitgliederzahl des Verbandes der Deutschen Pinsel- und Bürstenhersteller ist mit rund 100 eher überschaubar, und darunter sind auch Importeure oder Drahtbürsten-Fabrikanten. Das heißt aber auch: Wenn Wis-toba eine neue Maschine braucht, gibt es die nicht von der Stange. Die Pinsel-Experten aus dem Harz müssen dann selbst ran und helfen, die Anlage zu entwickeln. Wie weit dabei sowohl technisches Know-how als auch Verantwortung für die Beschäftigten reichen, zeigt sich daran, dass eine Maschine eigens so eingerichtet wurde, dass eine körperlich eingeschränkte Mitarbeiterin sie mit nur einer Hand bedienen kann.