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Ein Stück Schlote steckt heute in vielen Autos. Als Hersteller komplexer Motor-, Getriebe- und Fahrwerkskomponenten hat sich die Harsumer Unternehmensgruppe weltweit einen Namen gemacht. Bei Getriebe- und Turbinengehäusen gehört Schlote zu den Marktführern in Europa.

Im Jahr 1989 hatte das Unternehmen 40 Mitarbeiter. Heute arbeiten rund 1500 Menschen für die Schlote-Gruppe – und das nicht nur in Harsum, sondern an insgesamt neun weiteren Standorten. Seit 2014 produziert Schlote auch in China. „VW hatte uns gefragt, ob wir nicht mitkommen wollten“, erinnert sich Jürgen Schlote. Es war eine Riesenchance, zugleich eine große Herausforderung. Schwierig, dann Nein zu sagen, schließlich zählen die Wolfsburger zu den Schlüsselkunden des Mittelständlers, der Bauteile für die Automobilindustrie herstellt. Letztlich machte die Unternehmensgruppe den Schritt nach Asien, auch aus der festen Überzeugung heraus, dass im Neuen auch immer eine Chance zur Weiterentwicklung für das Unternehmen liegt.

Carsten Schulz und Jürgen Schlote bilden die Geschäftsführung der Unternehmensgruppe.

Schlotes Stärke ist Präzision. „Es gibt in Europa nur noch wenige Mitbewerber, die eine vergleichbare Kompetenz wie wir bei der Herstellung von Präzisionsbauteilen für Gesamtsysteme haben“, sagt der Geschäftsführer. Das sind zum Beispiel Turbinen-, Getriebe- und Kupplungsgehäuse, Abgaskrümmer oder Konsolen, die Schlote in seinen Werken in Serie fertigt. Zu den Kunden gehören unter anderem Volkswagen, Audi, BMW und Daimler, sowie ZF, Trimet, Continental und Georg Fischer. Viele Bauteile kommen in der Rohform aus Gießereien zur weiteren Bearbeitung zu Schlote. „Wir setzen dabei auf innovative Technologien, insbesondere auf Modularisierung und Automatisierung“, erklärt der Geschäftsführer. So werden die Fahrzeugkomponenten in sogenannten Bearbeitungszentren größtenteils vollautomatisiert bearbeitet. Auf den modernsten Linien ist nur noch ein Mitarbeiter für die Überwachung zuständig ist. Trotzdem arbeiten in der Produktion mehr als 250 Mitarbeiter im Vier-Schicht-Betrieb. „In der Gruppe stellen wir in einem Jahr rund 4,5 Millionen Getriebegehäuse her“, sagt Schlote. Von den rund 14 Mio. Fahrzeugen, die innerhalb eines Jahres in der EU zugelassen werden, dürften also einige Teile von Schlote in sich tragen.
Es ist eine rasante Entwicklung, die das Unternehmen in bald fünfzig Jahren – 2019 wird Jubiläum gefeiert – genommen hat. Rund 400 Mitarbeiter beschäftigt Schlote inzwischen in Harsum.

Ein Mitarbeiter kontrolliert die automatisierten Arbeitsschritte an einem Getriebegehäuse.

Als besonders möchte Jürgen Schlote das Wachstum aber nicht herausstellen. „Wir haben nur die Chancen ergriffen, die sich ergeben haben“, sagt der 55-jährige Diplomökonom. Die Wiedervereinigung, ein paar Jahre später die neuen Märkte in Osteuropa und der Trend zum Outsourcing in der Automobilindustrie – das habe Schlote für sich nutzen können. „Es gab damals kaum andere Präzisionsteilehersteller“, sagt Schlote. 1969 eröffneten seine Eltern Christlinde und Johannes den ersten Standort in Hildesheim-Bavenstedt. Nach der Wende entstand ein Werk in Rathenow, 1996 kam Wernigerode dazu, bevor 2003 der Schritt nach Tschechien und vor drei Jahren nach Tianjin in China folgte, wo Schlote rund 60 Mio. Euro in ein Werk investierte. Zurzeit baut Schlote gerade ein neues Werk in Harzgerode. Rund 100 neue Arbeitsplätze entstehen aus dem Projekt, bei dem die Harsumer mit dem Aluminiumhersteller Trimet Aluminium SE zusammenarbeiten. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf rund 35 Mio. Euro. Keine unerheblichen Summen für eine Unternehmensgruppe, die in diesem Jahr voraussichtlich rund 250 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet. Allerdings schließt Schlote mit seinen Kunden in der Regel Verträge, die fünf bis sieben Jahre laufen. Dies sorgt für eine gewisse Planbarkeit, sichert die Investitionen aber nicht vollständig ab. Das schnelle Wachstum birgt auch Gefahren, etwa dann, wenn sich der Anlauf eines neuen Werks schwerer gestaltet als geplant, wie im Fall des chinesischen Standorts. „Es ist nicht leicht, wenn man zum ersten Mal mit dieser ganz fremden Kultur in Berührung kommt“, sagt Jürgen Schlote. Der Geschäftsführer ist froh, dass in dem Werk mit 220 Mitarbeitern nun alles reibungslos läuft. Man habe einen Werksleiter gefunden, der 20 Jahre lang für ein deutsches Unternehmen gearbeitet hat und somit beide Kulturen gut kennt und verbindet.

Mehr als vier Millionen Getriebegehäuse fertigt Schlote innerhalb eines Jahres.

Jürgen Schlote führt die Geschäfte der Schlote-Unternehmensgruppe gemeinsam mit Carsten Schulz. Sie beide können auch mit Rückschlägen leben, wenn sie aus neuen oder mutigen Entscheidungen resultieren. Einfach so weitermachen wie immer könne sich ein Unternehmen in der heutigen Zeit nicht mehr leisten. Vor bald zwei Jahren startete Schlote deswegen einen Prozess, um die Firma für die nächsten Jahrzehnte gut aufzustellen. „Nach den vielen Jahren des Wachstums, wussten viele Mitarbeiter gar nicht mehr, welche Ziele wir erreichen wollen.“ Zudem sollte die Bekanntheit von Schlote gesteigert werden, nicht zuletzt wegen des Wettbewerbs um Fachkräfte. Am Ende wurde es die Vision: „Erfolgreich mit innovativer Technologie“. Sie steht über allem. Um dieses Ziel zu erreichen, möchte sich Schlote in mehreren Bereichen verbessern. „Mit der neuen Strategie wollen wir unseren Mitarbeitern eine Orientierung bieten, ohne sie einzuengen“, sagt Jürgen Schlote. Neben dem Strategieprozess hat das Unternehmen auch ein betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt. Nachdem alle Beschäftigten anonym von der Barmer Krankenkasse befragt wurden und die Ergebnisse vorliegen, möchte Schlote gezielte Maßnahmen ergreifen. Im Einzelfall könne mitunter die Arbeitsbelastung verringert werden, es könnte Sportangebote im Unternehmen geben oder auch Informationen, die Mitarbeiter frühzeitig über mögliche Gesundheitsgefahren aufklären.
Mit der Vision verbindet der Geschäftsführer aber das Ziel, Neues zu wagen. „Veränderung soll ein fester Bestandteil unseres Tuns sein, zur Normalität werden. Nur so werden wir im weltweiten Wettbewerb langfristig bestehen können“, ist Schlote überzeugt.

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Georg Thomas

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