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Frischzellenkur für Duderstadt

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Blick in Duderstadts Altstadt

Mit dem Stadtentwicklungsprojekt Futuring Duderstadt will Ottobock-Chef Professor Hans Georg Näder seine Geburtsstadt modernisieren. Ende September hat der Rat der Stadt dem Projekt zugestimmt.

Mit einem Mammutprojekt will Professor Hans Georg Näder die 21000 Einwohnerstadt im Eichsfeld attraktiver machen. Ende September hat der Rat der Stadt seinem Projekt „Futuring Duderstadt“ einvernehmlich zugestimmt. Erst Mitte Juli hat der geschäftsführende Gesellschafter der Ottobock Holding und Vorstandschef der zentralen Healthcare-Sparte das Stadtentwicklungsprojekt den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses Duderstadt zusammen mit dem mit der Planung beauftragten Architekten Michael Schmutzer vorgestellt. Dabei betonte Näder, dass er das Projekt auf dem rund 46 Hektar großen Gebiet an der Talwiese zusammen mit der Stadt, jedoch nur als Ganzes umsetzen wolle. Das Konzept zu „Futuring Duderstadt“: Das im Südosten der Stadt gelegene, aktuell nicht genutzte Schützenhaus und die damit baulich verbundene Eichsfeldhalle sollen Mitte nächsten Jahres abgerissen werden. Die Gebäude wird die Stadt für einen symbolischen Preis an Näder verkaufen. An dieser Stelle soll ein Neubau entstehen, in die die Duderstädter Braumanufaktur (Marke „Heimatliebe“) einzieht. Die Mikrobrauerei, die zurzeit unter dem Hotel-Restaurant „Zum Löwen“ sitzt, soll zur Craft-Beer-Brauerei expandieren und sich mit in einem transparenten Schank-und Showroom präsentieren. Angrenzend plant Näder ein 2,5 Hektar großes Naherholungsgebiet mit einem künstlichen See mit Ruderbooten, Café und Biergarten. Darüber hinaus sollen an der Talwiese ein Bed & Breakfast-Hotel mit 90 Betten und eine Multifunktionshalle mit dem Namen „HGN Cube“ errichtet werden. „Bei dem HGN Cube muss ganz klar die flexible Nutzung im Vordergrund stehen“, sagt Karsten Ley, der „Futuring Duderstadt“ bei Ottobock betreut. „Wir wollen jegliche Form von Veranstaltungen unterbringen: Messen, Tagungen, Theatervorstellungen, Konzerte und Sport-Events.“ Das Hotel soll von den Veranstaltungsbesuchern des HGN Cube und anderen Gästen genutzt werden. Auf dem brach liegenden Industriegelände der Ziegelei Bernhard sollen eine Wohnbebauung und ein Co-Working-Space entstehen. Dabei sollen die historischen Gebäude erhalten und einbezogen werden. Die Wohneinheiten im Sinne eines „New York Living in der Fertigungsstätte“ sollen modular angelegt und je nach Lebenssituation erweitert oder zurückgebaut werden können.

Der Plan für Futuring Duderstadt
Der Plan für Futuring Duderstadt

Für das Projekt veranschlagt Näder 50 bis 100 Mio. Euro. Die Kosten will er zusammen mit Investoren übernehmen. Für die komplette Umsetzung rechnet Näder mit zehn Jahren – also bis 2027. Zum Jahreswechsel soll ein Architektenwettbewerb für das Brauereigebäude ausgeschrieben werden. In vier Jahren könnte der HGN Cube stehen; das Veranstaltungszentrum will Näder der Stadt 2021 anlässlich seines 60. Geburtstags schenken. „Das ist für Duderstadt ein Riesenschritt in die Zukunft“, sagt Horst Bonitz, Fachdienstleiter Kultur bei der Stadt Duderstadt und zuständig für das Projekt. Nun müssten die Landesbehörden noch ein Wort mitreden. So gilt es beispielsweise zu prüfen, wie es mit dem Hochwasserschutz im „Futuring Duderstadt“-Gebiet  aussieht.

Die Kunsthalle HGN in Duderstadt wurde 2011 eröffnet.

Hans Georg Näder

Hans Georg Näder

Hans Georg Näder steht seit 1990 an der Spitze des Familienunternehmens, das 1919 von seinem Großvater Otto Bock gegründet wurde. Heute ist Ottobock ein Hightech-Konzern mit einem Jahresumsatz von rund 1 Mrd. Euro und 7614 Mitarbeitern weltweit. Mit 1600 Mitarbeitern in Duderstadt ist das Unternehmen der größte Arbeitgeber der Stadt. Näder ist gebürtiger Duderstädter und hat vor acht Jahren die Stadtentwicklungsinitiative „Duderstadt 2020“ initiiert. Unweit des Familiensitzes hat der kunstliebende Unternehmer 2011 die private „Kunsthalle HGN“ eröffnet. Das Ausstellungshaus  präsentiert Näders rund 1300 Werke umfassende Sammlung und andere Kunst. Bislang kamen rund 40 000 Besucher. Noch bis Januar sind dort Max Näders Fotografien der Fünfziger Jahre zu sehen. Weitere Näder-Projekte in Duderstadt sind das Hotel Zum Löwen, das Tabalugahaus und das Schützenmuseum. Der 56-Jährige ist Honorarprofessor an der Privaten Hochschule Göttingen und an der Capital Medical University in Peking. Näder wurde vielfach ausgezeichnet: So ist er unter  anderem Träger des Niedersächsischen Staatspreises (2005) und Ehrenbürger von Duderstadt (2011). Mitte Dezember erhält er vom Presse Club Hannover den Leibniz-Ring Hannover. Im September hat der Ottobock-Chef angekündigt, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Zum 15. Januar startet Oliver Scheel (49) als Geschäftsführer bei der Ottobock Healthcare GmbH. Die wichtigste Tochtergesellschaft der Ottobock-Holding steht vor der Umwandlung in eine SE & Co. KGaA, bei der Näder dann als Chairman of the Board den Vorsitz des Verwaltungsrats übernehmen wird.