Start IHK IHK Direkt Was im Land zu tun ist

Was im Land zu tun ist

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IHKN-Präsident Dr. Christian Hinsch (2. v. links) mit den IHKN-Hauptgeschäftsführern Dr. Horst Schrage und Dr. Susanne Schmitt.

Die Landtagswahl am 15. Oktober markiert den Start in die neue Legislaturperiode. Welche Aufgaben anstehen, haben die Industrie- und Handelskammern formuliert.

13 wirtschaftspolitische Felder, dazu 13 konkrete Handlungsempfehlungen: Was aus Sicht der Wirtschaft an Aufgaben auf die neue Landesregierung zukommt, hat die IHK Niedersachsen zusammengetragen. Die IHKN als Landesarbeitsgemeinschaft der sieben niedersächsischen Industrie- und Handelskammern legte im September einen Katalog der Forderungen an die Politik vor. IHKN-Präsident Dr. Christian Hinsch griff vor der Presse insbesondere drei Themen heraus: Berufliche Bildung und Fachkräfte, Digitalisierung sowie Entbürokratisierung.
„Bildung und Fachkräftemangel ist das Topthema für die Wirtschaft“, so Hinsch. Fragt man die Unternehmen in Niedersachsen nach ihren größten Sorgen, dann steht dieses Thema seit Jahren auf dem ersten Platz. Die Industrie- und Handelskammern fordern Vorfahrt für die berufliche Bildung: „Die Duale Bildung hat ein hausgemachtes Attraktivitätsproblem – bei Schülern, Eltern, Lehrern und Bildungspolitikern“, stellt Hinsch fest. „Gründe dafür sind unter anderem, dass in den weiterführenden Schulen die Duale Ausbildung immer noch zu wenig bekannt ist und der dreijährige Bachelor-Studiengang mit der dreieinhalbjährigen Ausbildung im Wettbewerb steht. Doch es ist heute schon absehbar: In der Zukunft fehlen Fachkräfte, nicht Akademiker. Nach Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung werden im Jahr 2030 circa 2,9 Millionen Fachkräfte fehlen, denen ein Zuwachs von 1,7 Millionen Akademikern gegenübersteht.“
Die IHK Niedersachsen sieht daher die Aufwertung der beruflichen Bildung als wesentliche Aufgabe der kommenden Legislaturperiode mit dem Ziel, mehr Jugendliche dafür zu gewinnen. Unter anderem fordert die IHKN wohnortnahe Berufsschulen mit mehr gut ausgebildeten Lehrkräften und zeitgemäßer Ausstattung. Dr. Horst Schrage, einer der Hauptgeschäftsführer der IHKN, ergänzte den dringenden Wunsch, dass allgemein bildende und Berufsschulen stärker zusammenarbeiten können.

Zweite Forderung in diesem Bereich: An allen allgemein bildenden Schulen Berufsorientierung systematisch und verpflichtend einführen. Dafür müsse, so die IHKN, ein Ankerfach festgelegt werden, in dessen Rahmen Berufsorientierung vermittelt werde. Außerdem setzt sich die Wirtschaft für Lehrer-Praxistage in Unternehmen ein.
IHKN-Präsident Hinsch griff als weiteres Thema aus dem Forderungskatalog die Digitalisierung auf. Er erinnert daran, dass Deutschland in den letzten Jahrzehnten von seiner hervorragenden Verkehrsinfrastruktur profitiert hat – Straßen, Schienen und stabile Energieversorgung. Neue und für die Zukunft wesentliche Anforderung an eine gute Infrastruktur sei aber auch die Verfügbarkeit und Geschwindigkeit von Datenübertragungen. „Hier hinken wir noch sehr hinterher. Die Zukunft ist mobiles Arbeiten, E-Commerce, E-Health, Industrie 4.0 und autonomes Fahren – das weiß auch die Politik. Daher finden wir die Digitalisierung auch in allen Wahlprogrammen. Entscheidend ist aber, dass diese Versprechen auch koordiniert realisiert werden“, sagt Hinsch. Die Wirtschaft fordert deshalb von der neuen Landesregierung für Gewerbe- und Industriegebiete einen umfassenden und flächendeckenden Breitbandausbau in Glasfasertechnik. Darüber hinaus muss überall dort, wo kabelgebundene Lösungen nicht möglich sind, eine funkbasierte Datenübertragung in 5-G-Technik installiert werden. Dazu müssen die Landesmittel für den Ausbau erhöht und die Fördermodalitäten vereinfacht werden.
Zudem muss sich die Landesregierung dem Bürokratieabbau widmen. Denn für viele Unternehmer ist es ein wichtiger Standortfaktor, wie lange und wie lösungsorientiert Behörden bei Zulassungs- und Genehmigungsverfahren agieren. Hinsch fordert im Namen der Wirtschaft, dass Planungs- und Genehmigungsverfahren gestrafft werden sollen. Dabei sollten verstärkt Ermessensspielräume genutzt werden und die betroffenen Behörden sollten sich nicht ausschließlich als Kontrollinstanz verstehen, sondern den Unternehmen auch beratend zur Seite stehen. Darüber hinaus fordert die IHKN den Ausbau der E-Government-Prozesse. Damit die Unternehmen alle Verwaltungsvorgänge elektronisch abwickeln können, müssen medienbruchfreie E-Government-Lösungen installiert werden.

Die weiteren IHKN-Forderungen im Überblick:

  • Nachhaltige Finanzpolitik ohne Steuererhöhungen
  • Verkehrsprojekte optimal planen, finanzieren und umsetzen, Verkehre sinnvoll lenken
  • Umfassende Außenwirtschafts-förderung zur Internationalisierung des Mittelstandes
  • Standortvorteile durch die Energiewende nutzen und ausbauen
  • Akzeptanz von Industrieprojekten zur Standortsicherung steigern
  • Unternehmensgründungen ebenso wie Forschung und Entwicklung im Mittelstand erleichtern
  • Versorgungsfunktionen des Handels in allen Wirtschaftsräumen auch raumordnerisch gewährleisten
  • Potenziale im Tourismus gezielt ausschöpfen
  • Maritime Wirtschaft für die Märkte der Zukunft rüsten

Die IHKN-Forderungen der Wirtschaft an
die neue Landesregierung finden Sie hier:
http://bit.ly/2x1AjVT