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Mit Offenheit nach vorn

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Foto: Deutsche Messe AG

Schon bevor er 2012 in den Messevorstand eintrat, hat er die Agritechnica betreut und zum Publikumsmagneten gemacht. Und seit fast genau 100 Tagen ist Dr. Jochen Köckler jetzt Vorstandschef der Deutschen Messe AG.

Die Routinefrage zuerst: Was war das Wichtigste in Ihren ersten knapp 100 Tagen an der Spitze der Deutschen Messe AG?

Es ist sehr gut, dass ich unser Unternehmen aus fünf Jahren Vorstandsarbeit bereits umfassend kenne und zuvor 13 Jahre Kunde der Messe als Gastveranstalter war.
Genauso ist es vorteilhaft, dass meine beiden Kollegen Andreas Gruchow und Oliver Frese auch schon mehrere Jahre im Vorstand an Bord sind und wir gemeinsam die ersten Wochen intensiv genutzt haben, um eine neue Struktur für nun drei Vorstände umzusetzen. Als Vorstandsvorsitzender und aufgrund der Verkleinerung unseres Vorstandes von vier auf drei Personen hat sich mein Ressort entsprechend vergrößert – unser neuer Digitalbereich, das Personal und das Protokoll sind beispielsweise dazugekommen.
Wir werden uns in Zukunft noch mehr darauf besinnen, dass wir als mittelständisches Unternehmen arbeiten und der Kundenfokus mit Blick auf unsere Aussteller und Besucher im Mittelpunkt steht. Wir haben zehn Kompetenzfelder von Industrie bis Bodenbeläge, in denen wir global Messen machen. Marketing und Kommunikation wird zukünftig dezentral nah an den Märkten und Kunden umgesetzt. Um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, haben wir einen neuen Digital-Geschäftsbereich geschaffen und unsere bisherigen Aktivitäten hier gebündelt.
Basis für diese zügige Neuausrichtung waren viele Gespräche mit Mitarbeitern und Führungskräften. Vor Ort sein, Gesprächspartner sein. Erklären, warum wir Dinge anders machen wollen, auf welches Ziel die Veränderung einzahlen soll. Am Ende der 100 Tage kann ich sagen: Offene Gespräche bringen uns gemeinsam als Unternehmen nach vorne. Jetzt geht es an die gemeinsame Arbeit im Tagesgeschäft.

Sie haben die drei Vorstandsressorts neu zugeschnitten. Mit dem Flaggschiff Hannover Messe, mit den wichtigen Gastveranstaltungen wie IAA Nutzfahrzeuge oder Agritechnica und mit der Digitalisierung liegen zentrale Aufgaben bei Ihnen. Was steckt hinter dieser Neuordnung?

Wir sind zu dritt im Vorstand und haben eine klare Aufgabenteilung. Jeder Vorstand verantwortet seine Messen und ist in seinen Kompetenzfeldern weltweit aktiv. In jedem Kompetenzfeld werden Vertrieb, Produktmanagement und Kommunikation aus einer Hand für das Kerngeschäft der Deutschen Messe im In- und Ausland gesteuert. Somit sind wir nah an den Kunden und können ausgehend von der Weltleitmesse in Hannover die Märkte bearbeiten. Neben dem Kerngeschäft des „Messemachens“ haben wir die Aufgaben sinnvoll verteilt, so dass der Kollege Gruchow die Auslandsstrukturen verantwortet, Kollege Frese den Servicebereich ausbaut und bei mir das neue Thema „Digital Business & Transformation“ liegt. Somit werden wir weiterhin die Chancen der Globalisierung nutzen und die digitale Transformation unseres Unternehmens im Sinne unserer Kunden vorantreiben. Dranbleiben und die Veränderungen der Märkte aufgreifen und für uns nutzen – das ist uns wichtig.

Wo steht die Deutsche Messe AG in fünf Jahren?

Wir werden weiterhin mit unseren Messen Anlässe schaffen, auf denen sich ganze Branchen mit ihren Entscheidern treffen. Bestmöglich Weltleitmessen, weil es nur hier zuerst die Innovationen gibt. In unseren Kompetenzfeldern müssen wir hier führender Anbieter in Hannover und weltweit sein. Nachdem wir jetzt mutig einen Geschäftsbereich Digital geschaffen haben, werden wir in fünf Jahren ganz neue digitale Produkte anbieten und das Messegeschäft an sich durch Digitalisierung viel effizienter gestalten. Das Treffen der Menschen wird durch die digitalen Netzwerke gezielt verbessert. Damit steigt der Wert der Messebeteiligung für Aussteller und Besucher. Wenn es gut läuft, haben wir dann auch schon ganz neue Geschäftsmodelle im Sinne von Data Service aufgebaut.

Was sind auf dem Weg dahin die größten Baustellen?

Wir müssen die Messen klar positionieren, damit der Aussteller weiß, was er für sein Investment an Geschäftskontakten erhält. Wir brauchen ein gutes Gespür, was der Kunde wirklich will. Das gilt für den Verkauf von Messeständen genauso, wie für die neuen digitalen Produkte. Wenn wir Menschen zusammenführen, müssen wir dicht an den echten Bedürfnissen unserer Kunden sein und unsere Messeplattformen zukunftsfähig halten. Wenn uns das nicht gelingt, laufen wir schnell Gefahr, unattraktiv zu werden. Unser Geschäft ist seit jeher ein Spiegelbild der Märkte.
Neben dieser Innovationsfähigkeit im Kerngeschäft sind wir auf freie Märkte und offenen, fairen Handel angewiesen. Wir haben viele Messen mit Ausstellern aus über 40 Ländern und Besucher aus 100 Ländern. Das geht nur in Frieden und Freiheit.

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