Start IHK Kommentiert Schnell berufsbezogen Deutsch lernen

Schnell berufsbezogen Deutsch lernen

TEILEN
Foto: IHK Hannover

Prof. Dr. Günter Hirth, IHK Hannover, kommentiert:

Deutlich mehr junge Geflüchtete schaffen inzwischen den Sprung in die duale Ausbildung in Unternehmen. Sprachlich müssen sie dann aber auch den Anforderungen der Berufsschule gewachsen sein. Ein Teil der jungen Menschen kann dem Unterricht allerdings nicht folgen, und damit droht ein Scheitern bei der Abschlussprüfung. Deshalb das Anforderungsniveau herabzusetzen, ist keine Option: Fachkräfte müssen schließlich beispielsweise Sicherheitshinweise lesen und auch verstehen können.
Die Geflüchteten müssen jetzt unbedingt ihr Deutsch verbessern – und zwar berufsbezogen und schnell, denn Teile der Abschlussprüfung werden schon früh in der Ausbildung abgelegt. Doch dabei laufen sie Gefahr, vom Sprachkurssystem ausgebremst zu werden. Denn das in der Not schnell gewachsene System ist schlecht eingestellt auf diejenigen, die eine Ausbildung oder Einstiegsqualifikation machen. Die Suche nach Kursen, die danach unterscheiden, mit welchem Ziel jemand eigentlich Deutsch lernt, gestaltet sich vielerorts schwierig. Hinzu kommt, dass die Kurse zum richtigen Zeitpunkt anfangen und für die Azubis erreichbar sein müssen.
Wie hier gegengesteuert werden kann und muss, zeigt sich beispielsweise in der Region Hannover: An allen Berufsschulen wurde der Bedarf an berufsbezogenen Deutschkursen für Auszubildende abgefragt. Derzeit gibt es Gespräche unter Einbindung der Kammern, wie Kurse mit berufsbezogenen Inhalten ausgestaltet sein sollen. Schließlich müssen gleichzeitig Ausbildungsinhalte vermittelt und das erforderliche Sprachniveau erreicht werden.
Eine abgeschlossene Ausbildung ist in Deutschland noch immer die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. In der Region Hannover müssen jetzt nach den ersten, richtigen Schritten weitere folgen, um vor Ort bedarfsgerecht und flexibel Sprachangebote für Geflüchtete während der Ausbildung zu schaffen. Das ist in ihrem Interesse und auch dem der Unternehmen, die dringend Fachkräfte brauchen. Das Beispiel in der Region Hannover sollte Schule machen!